Wiesn-Zeit in der Stadt: Wie München die 16 Oktoberfesttage lebt
- Das 191. Oktoberfest findet vom 19. September bis 4. Oktober 2026 auf der Theresienwiese statt, mit der Oidn Wiesn im südlichen Teil des Geländes.
- Oberbürgermeister Dominik Krause zapft am 19. September um 12 Uhr in der Festhalle Schottenhamel an, für ihn ist es der erste Anstich im Amt.
- Der Trachten- und Schützenzug am 20. September startet um 10 Uhr am Max-II-Denkmal in der Maximilianstraße und wird seit 1835 veranstaltet.
Sechzehn Tage lang dreht sich in München vieles um eine Wiese im Westen der Innenstadt. Wer hier lebt, erlebt das Oktoberfest anders als die Besucher: als Rhythmus, der die Stadt verändert, mit festen Ritualen, vollen U-Bahnen und Vierteln, die gerade jetzt ihre ruhige Seite zeigen. Ein Leitfaden durch die Wiesn-Zeit 2026.
Wenn die Wiese zur Stadt wird
Für die meisten Gäste beginnt das Oktoberfest mit dem ersten Bier. Für Münchner beginnt es aber schon im Frühsommer: Seit dem 29. Juni 2026 wird auf der Theresienwiese aufgebaut, vom 26. August bis zum 21. Oktober ist das Gelände komplett gesperrt. Wer in dieser Zeit am Bavariaring entlangfährt, sieht, wie aus einer leeren Fläche eine kleine Stadt mit Festhallen, Fahrgeschäften und Versorgungswegen wächst.
Das 191. Oktoberfest dauert in diesem Jahr vom 19. September bis zum 4. Oktober. Sechzehn Tage, in denen sich die Stadt nach einem festen Kalender richtet. Auf dem Gelände stehen 14 große und 21 kleinere Festzelte, dazu kommen drei historische Zelte auf der Oidn Wiesn.
Den Namen trägt die Fläche seit dem Gründungsjahr des Festes. Die Wiese vor den Toren der damaligen Stadt wurde nach Therese von Sachsen-Hildburghausen benannt, deren Hochzeit mit Kronprinz Ludwig 1810 den Anlass für das erste Pferderennen und damit für das Oktoberfest gab. Über dem Gelände wacht seit 1850 die Bavaria vor der Ruhmeshalle, eine Bronzefigur nach dem Entwurf von Ludwig Schwanthaler. Wer die Wiese außerhalb der Festzeit kennt, weiß, wie weit und leer sie wirkt. Gerade deshalb ist die Verwandlung jedes Jahr so eindrücklich.
Wer den August als halb leere Stadt erlebt hat, sieht im September das Gegenteil. Am Hauptbahnhof mischen sich Rollkoffer und Trachten, und die Linien U4 und U5, die aus Bogenhausen und Haidhausen über den Max-Weber-Platz in die Innenstadt fahren, halten auch an der Theresienwiese. An den Wochenenden spüren das Pendler bis weit in den Osten der Stadt.
Der erste Samstag: Einzug und Anstich
Der Auftakt folgt einer Choreografie, die sich seit Jahrzehnten kaum verändert hat. Am Samstag, dem 19. September, setzt sich um 10.35 Uhr in der Sonnenstraße auf Höhe der Josephspitalstraße der Einzug der Wiesnwirte in Bewegung. Rund 1000 Mitwirkende ziehen mit Festkutschen, Brauereigespannen und Musikkapellen über Sonnenstraße, Schwanthalerstraße, Hermann-Lingg-Straße und Bavariaring zur Theresienwiese. An der Spitze reitet das Münchner Kindl. 2026 übernimmt diese Rolle erstmals Sina Hochreiter, die Tochter der Wirtsleute der Haxnbraterei.
Die Festzelte öffnen am Eröffnungstag bereits um neun Uhr. Bier gibt es trotzdem erst ab Mittag, denn der Ausschank beginnt mit dem Anstich. Um Punkt zwölf Uhr schlägt Oberbürgermeister Dominik Krause in der Festhalle Schottenhamel an der Wirtsbudenstraße 35 den Zapfhahn ins erste Fass. Für ihn ist es eine Premiere: Krause hat das Amt im Mai 2026 von Dieter Reiter übernommen. Mit dem Ruf „O'zapft is“ ist das Fest eröffnet. Zwölf Böllerschüsse vor der Bavaria geben den Ausschank in allen anderen Zelten frei. Die erste Maß geht nach alter Tradition an den bayerischen Ministerpräsidenten.
Gemessen an der Geschichte des Festes ist dieser Ritus jung. Das erste Oktoberfest fand 1810 zur Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Therese von Sachsen-Hildburghausen statt. Den ersten Anstich im Schottenhamel vollzog Oberbürgermeister Thomas Wimmer erst 1950. Seitdem zählt die Stadt jedes Jahr die Schläge. Die Bestmarke liegt bei zwei, gehalten von Christian Ude und Dieter Reiter.
Der erste Sonntag gehört den Trachten
Am Sonntag, dem 20. September, zieht der Trachten- und Schützenzug durch die Stadt. Er fand 1835 zum ersten Mal statt, zu Ehren der Silberhochzeit von König Ludwig I. und Therese und zum 25-jährigen Bestehen des Oktoberfestes. Heute zählt er zu den Höhepunkten der Wiesn-Zeit. Veranstalter ist der Festring München.
Der Zug beginnt um zehn Uhr am Max-II-Denkmal in der Maximilianstraße, dort also, wo Lehel, Haidhausen und die Maximiliansanlagen aneinanderstoßen. Von hier führt die rund sieben Kilometer lange Strecke quer durch die Innenstadt bis zum Esperantoplatz und weiter auf das Festgelände. Mehr als 8000 Mitwirkende sind angekündigt: Trachten- und Heimatvereine, Gebirgs- und Sportschützen, Musikkapellen, Fahnenabordnungen, Reiter und die geschmückten Gespanne der Münchner Brauereien. Das Münchner Kindl führt auch diesen Zug an.
Für Anwohner im Osten der Stadt hat der Sonntag einen besonderen Reiz. Wer in Bogenhausen, im Lehel oder in Haidhausen wohnt, erreicht den Startpunkt zu Fuß. Die ersten Kilometer entlang der Maximilianstraße sind am Vormittag oft entspannter als die letzten vor der Theresienwiese. Wer lieber sitzt, findet entlang der Route Tribünen mit Kartenvorverkauf.
Die Oide Wiesn: Das Fest in anderem Tempo
Seit 2011 gibt es im südlichen Teil der Theresienwiese die Oide Wiesn. Sie entstand aus dem Erfolg der „Historischen Wiesn“ im Jubiläumsjahr 2010 und setzt bewusst auf ein ruhigeres, familienfreundliches und traditionell bayerisches Fest. Der abgegrenzte Bereich kostet Eintritt ab 14 Jahren, dafür geht es dort gemächlicher zu.
Drei Festzelte prägen das Bild, jedes mit eigenem Schwerpunkt. Im Festzelt Tradition stehen Trachten und Blasmusik im Mittelpunkt, auf zwei Tanzböden zeigen Plattler, Volkstanzgruppen und Goaßlschnalzer ihr Können. Die Schützenlisl widmet sich der Münchner Volkssängertradition, die Boandlkramerei der ganzen Breite bayerischer Volksmusik bis zu zeitgenössischen alpinen Klängen. Dazu kommen historische Fahrgeschäfte und ein Museumszelt mit Ausstellungen.
Auch an Barrierefreiheit ist gedacht: Das Festzelt Tradition hat barrierefreie Eingänge, rollstuhlgerechte Plätze und barrierefreie Toiletten. Besucher mit einem anerkannten Grad der Behinderung ab 50 haben freien Eintritt.
Für viele Münchner ist die Oide Wiesn der Teil des Festes, den sie mit Gästen von außerhalb besuchen. Man findet leichter einen Platz, versteht sein eigenes Wort und bekommt einen Eindruck davon, wie das Oktoberfest einmal ausgesehen hat.
Die Stadt jenseits der Theresienwiese
Der Festkalender reicht über die beiden Umzüge hinaus. Am 24. September findet der Wiesngottesdienst im Marstall statt, am 28. September das Wiesn-Platzkonzert. Zum Abschluss am 4. Oktober folgt das Böllerschießen. Dazwischen liegen zwei Wochen Alltag, in denen sich die Stadt spürbar teilt.
Die Viertel östlich der Isar erleben die Wiesn-Zeit mit Abstand. In Bogenhausen, im Herzogpark und in Altbogenhausen ändert sich der Alltag wenig. Die Maximiliansanlagen, der Englische Garten und die Isarufer bleiben Orte für Spaziergänge, die mit dem Trubel im Westen nichts zu tun haben. Haidhausen bleibt in diesen Wochen, was es sonst auch ist: ein Viertel der Nachbarschaften, in dem der Wiener Platz und der Johannisplatz ihren eigenen Takt behalten.
Die Maxvorstadt liegt näher am Geschehen und ist über die Universität und die Museen trotzdem ein eigener Kosmos. Die Türkenstraße und die Straßen rund um den Josephsplatz behalten ihren Charakter. Dass gerade Wiesn ist, zeigt sich hier eher an einzelnen Trachten auf dem Heimweg als am Straßenbild.
Diese Gleichzeitigkeit gehört zur Qualität der Stadt. Ein Fest mit Millionen Gästen findet statt, und doch bleibt der größte Teil Münchens bewohnbar, ruhig und alltäglich. Wer eine Wohnung in einem der gewachsenen Viertel hat, kann die Wiesn besuchen, wann er will, und sich ebenso leicht wieder zurückziehen.
Praktisches für die sechzehn Tage
Am entspanntesten erreicht man das Gelände mit U-Bahn, S-Bahn oder zu Fuß. Die U4 und U5 halten an der Theresienwiese und an der Schwanthalerhöhe, bei Andrang helfen die U3 und U6 mit den Stationen Goetheplatz und Poccistraße. Vom Hauptbahnhof sind es knapp 15 Minuten zu Fuß, von der Hackerbrücke etwa zehn.
An Werktagen öffnen die Zelte um 10 Uhr, an Samstagen, Sonntagen und am Feiertag um neun Uhr. Der 3. Oktober fällt 2026 auf einen Samstag. In den großen Festhallen enden Ausschank und Musik um 22.30 Uhr, in den mittleren und kleinen Betrieben um 23 Uhr. Der Zugang zum Festgelände und zu den Zelten ist kostenlos, ein Platz in einem bestimmten Zelt ist damit aber nicht garantiert.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist das Oktoberfest 2026?
Das 191. Oktoberfest findet vom 19. September bis zum 4. Oktober 2026 auf der Theresienwiese statt. Die Oide Wiesn im südlichen Teil des Geländes hat im selben Zeitraum geöffnet.
Wer zapft 2026 an und wann?
Oberbürgermeister Dominik Krause zapft am Samstag, 19. September 2026, um 12 Uhr in der Festhalle Schottenhamel an. Es ist sein erster Anstich als Münchner Oberbürgermeister.
Wann und wo startet der Trachten- und Schützenzug?
Der Zug beginnt am Sonntag, 20. September 2026, um 10 Uhr am Max-II-Denkmal in der Maximilianstraße und führt rund sieben Kilometer durch die Innenstadt bis zur Theresienwiese.
Ein Fest, das die Stadt nicht verschluckt
Das Oktoberfest ist das bekannteste Kapitel im Münchner Jahr, aber es bleibt ein Kapitel. Nach sechzehn Tagen wird die Theresienwiese wieder abgebaut, und im Oktober gehört sie erneut den Spaziergängern.
Für Münchner liegt der Reiz gerade im Wechsel: vormittags der Trachtenzug an der Maximilianstraße, nachmittags ein Platz in der Oidn Wiesn, abends der Weg zurück in ein Viertel, in dem die Wiesn nur als fernes Leuchten am Himmel zu ahnen ist.
Quellen
- muenchen.de: Der Anstich zum Oktoberfest 2026: https://www.muenchen.de/veranstaltungen/freizeit/brauchtum/der-anstich
- muenchen.de: Oktoberfest 2026, Programm und Neuheiten: https://www.muenchen.de/veranstaltungen/oktoberfest
- muenchen.de: Oide Wiesn, the historic Oktoberfest: https://www.muenchen.de/en/events/oktoberfest/oide-wiesn-historic-oktoberfest
- Festring München: Trachten- und Schützenzug: https://festring.de/trachten-und-schuetzenzug/
- Festring München: Oide Wiesn 2026: https://festring.de/oide-wiesn-2026/
- Abendzeitung München: Oktoberfest, Premiere für OB Krause: https://www.abendzeitung-muenchen.de/mehr/reise/oktoberfest-premiere-fuer-gruenen-ob-krause-und-wieder-hoehere-preise-art-1158558
- MUC Blog: Trachten- und Schützenzug 2026, Route und Uhrzeit: https://muc-blog.com/trachten-schuetzenzug-2026-muenchen-route/
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