Theaterherbst: Münchens Bühnen zum Start der Spielzeit 2026/27
- Das Residenztheater am Max-Joseph-Platz eröffnet die Spielzeit 2026/27 unter anderem mit Brechts und Weills „Die Dreigroschenoper“ (Premiere 27. September 2026) und „König Lear“ mit Manfred Zapatka (Premiere 10. Oktober 2026).
- Die Münchner Kammerspiele an der Maximilianstraße werden bis 2028 von Barbara Mundel geleitet; die Stadt hat die Intendanz ab der Spielzeit 2028 neu ausgeschrieben.
- Das Gärtnerplatztheater plant 2026/27 neun Premieren, darunter drei Uraufführungen, und am 15. Mai 2027 den ersten Münchner Opernball im Haus.
Wenn das Oktoberfest endet, beginnt in München die zweite große Saison des Herbstes: die der Bühnen. Vier Häuser prägen das Schauspiel und das Musiktheater jenseits der Oper, jedes mit eigener Handschrift. Ein Überblick über Residenztheater, Kammerspiele, Volkstheater und Gärtnerplatztheater und das, was sie für 2026/27 angekündigt haben.
Ein Herbst mit vier Handschriften
München leistet sich eine Theaterlandschaft, die für eine Stadt dieser Größe ungewöhnlich dicht ist. Staatliche und städtische Häuser stehen nebeneinander, dazu kommen private Bühnen und die Oper. Für diesen Überblick gilt eine bewusste Auswahl: vier Häuser, die im Herbst den Ton angeben, und die Frage, wofür jedes von ihnen steht.
Die Lage der Häuser erzählt dabei schon viel. Residenztheater und Kammerspiele liegen an der Maximilianstraße und am Max-Joseph-Platz, also am Übergang zwischen Altstadt und Lehel. Das Gärtnerplatztheater gehört zur Isarvorstadt, das Volkstheater hat seit 2021 ein neues Haus im Schlachthofviertel. Wer in Haidhausen, im Lehel oder in Bogenhausen wohnt, erreicht zwei der vier Bühnen über die Maximilianstraße, ohne die Innenstadt zu durchqueren.
Konzertsäle und das Prinzregententheater haben wir in eigenen Beiträgen behandelt. Die Bayerische Staatsoper im Nationaltheater bleibt hier am Rand, sie verdient ein eigenes Kapitel.
Residenztheater: Das große Sprechtheater am Max-Joseph-Platz
Das Bayerische Staatsschauspiel zählt zu den größten Sprechtheatern im deutschsprachigen Raum. Sein Haupthaus ist das Residenztheater am Max-Joseph-Platz, von vielen Münchnern kurz „Resi“ genannt. Dazu bespielt das Staatsschauspiel das Cuvilliés-Theater und den Marstall. Gespielt wird auf Deutsch, einzelne Vorstellungen laufen mit englischen Übertiteln.
Die Spielzeit 2026/27 beginnt mit einem Klassiker des Musiktheaters. Am 27. September 2026 hat „Die Dreigroschenoper“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann Premiere, in einer Neuinszenierung von Philipp Stölzl. Das Stück, 1928 uraufgeführt, erzählt von einer Londoner Unterwelt, in der alles einen Preis hat, und hat an Schärfe nichts verloren.
Am 10. Oktober 2026 folgt Shakespeares „König Lear“. In der Titelrolle steht Manfred Zapatka, ein Publikumsliebling der Münchner Bühnen. Lear ist die Studie eines alternden, unberechenbaren Patriarchen, und damit eine Rolle, die ein Schauspieler mit Lebenserfahrung anders füllt als ein junger.
Für Besucher aus den östlichen Stadtteilen ist das Residenztheater bequem erreichbar. Der Max-Joseph-Platz liegt am westlichen Ende der Maximilianstraße, die über die Isar direkt nach Haidhausen führt.
Münchner Kammerspiele: Ein Haus im Rampenlicht
Die Münchner Kammerspiele sind das städtische Schauspielhaus. Ihr Stammhaus an der Maximilianstraße ist ein Jugendstilbau von 1901, entworfen von Richard Riemerschmid und Max Littmann. Das Ensemble wurde 1906 in Schwabing als private Truppe gegründet, zog 1926 unter Otto Falckenberg in das Schauspielhaus und ist seit 1933 ein Theater der Stadt München. Falckenberg leitete die Kammerspiele von 1917 bis 1944 und machte sie in der Weimarer Zeit zu einer Adresse für den Expressionismus. Seit 1961 dient das Werkraumtheater als zweite Bühne, 2001 kam ein großes Probengebäude nach Plänen von Gustav Peichl hinzu. Neben der großen Bühne gehören zwei kleine Bühnen im Haus, der Werkraum an der Hildegardstraße und die Therese-Giehse-Halle im Probengebäude an der Falckenbergstraße zum Haus.
Seit 2020 leitet Barbara Mundel die Kammerspiele. Sie kannte das Haus bereits, in den Jahren unter Frank Baumbauer war sie dort Chefdramaturgin. Unter ihrer Leitung hat das Haus ein bundesweit beachtetes Profil entwickelt, mit einem Schwerpunkt auf Inklusion: Im Ensemble arbeiten auch Menschen mit kognitiven und körperlichen Einschränkungen. In der Kritikerumfrage des Fachmagazins „Die Deutsche Bühne“ für die Saison 2025/26 lagen die Kammerspiele als Gesamtgewinner vorn, auch in der Kategorie Gesamtleistung eines großen Hauses.
Zugleich steht ein Wechsel an. Die Stadt hat die Intendanz für die Zeit ab der Spielzeit 2028 neu ausgeschrieben. Der Kulturreferent verwies auf den lange bekannten Zeitplan und die bereits verlängerte Vertragslaufzeit. Im Sommer 2026 sprach sich ein großer Teil der Belegschaft in einem offenen Brief für eine Verlängerung aus. Barbara Mundel erklärte daraufhin, über 2028 hinaus nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Wer ihr folgt, war bis Mitte September 2026 noch nicht bekannt.
Für das Publikum bedeutet das zunächst zwei volle Spielzeiten unter der bisherigen Leitung. Wer das Profil dieses Hauses kennenlernen will, hat also Zeit, sollte sie aber nutzen.
Volkstheater: Der Neubau im Schlachthofviertel
Das Münchner Volkstheater hat eine bewegte Baugeschichte. Das erste Haus öffnete 1903 an der Josephspitalstraße, geplant von den Architekten Gerstenecker und Tittrich. Es folgten Neubauten 1955 und 1983. Seit Herbst 2021 spielt das Theater in einem Neubau an der Tumblingerstraße 29 im Schlachthofviertel, einem modernen Backsteinbau mit Bögen und wellenartigen Rundungen. Der große Saal fasst mehr als 800 Zuschauer.
Seit 2002 leitet Christian Stückl das Haus. Der gebürtige Oberammergauer ist gelernter Bildhauer und Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele. Am Volkstheater setzt er auf junge Schauspielerinnen und Schauspieler und junge Regie, das Programm gilt als experimentierfreudig.
Zum Auftakt der neuen Spielzeit steht ab dem 24. September 2026 „Die Geierwally“ nach dem Roman von Wilhelmine von Hillern auf dem Spielplan. Die Inszenierung erzählt von einer jungen Frau, die sich gegen gesellschaftliche Zwänge und eine aufgezwungene Ehe auflehnt. Tradition gegen Selbstbestimmung: ein Stoff, der zum bayerischen Profil des Hauses passt und doch aktuell gelesen werden kann.
Gärtnerplatztheater: Oper, Operette, Musical und ein Ball
Das Staatstheater am Gärtnerplatz ist Münchens Haus für das leichtere und das große Musiktheater zugleich. Staatsintendant Josef E. Köpplinger stellte im April 2026 das Programm der neuen Saison vor, zusammen mit Chefdirigent Rubén Dubrovsky und Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner. Geplant sind neun Neuproduktionen aus Oper, Operette, Musical und Ballett, darunter drei Uraufführungen und eine europäische Erstaufführung. Die Auslastung lag nach Angaben des Hauses erneut bei rund 98 Prozent.
Die erste Premiere folgt am 16. Oktober 2026 mit Rossinis Oper „Die Reise nach Reims“ in der Regie von Dirk Schmeding. Am 20. November kommt Carl Michael Ziehrers Operette „Die Landstreicher“ heraus, die erste Regiearbeit von Christiane Lutz am Haus. Am 9. Dezember 2026 folgt auf der Studiobühne die Uraufführung des Musicals „Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl“ nach dem Roman von Judith Kerr, mit Musik von Thomas Zaufke.
Weiter in die Zukunft reichen zwei Termine. Am 16. April 2027 inszeniert Köpplinger selbst die europäische Erstaufführung des Musicals „Finding Neverland“. Und am 15. Mai 2027 lädt das Haus zum ersten Münchner Opernball im Gärtnerplatztheater, unter dem Motto „Vive la Belle Époque“.
Theater als Teil der Lage
Für Menschen, die in München eine Wohnung suchen, taucht das Theater selten in der ersten Liste der Kriterien auf. Schulen, Grün und Verkehrsanbindung stehen weiter oben. Im Alltag verschiebt sich das oft. Wer regelmäßig ins Theater geht, merkt schnell, ob der Heimweg nach der Vorstellung zwanzig Minuten dauert oder eine Stunde.
Die Häuser an der Maximilianstraße und am Max-Joseph-Platz liegen für die Viertel östlich der Isar besonders günstig. Das hat mit der Maximilianstraße zu tun, die im 19. Jahrhundert als repräsentative Achse von der Altstadt über die Isar angelegt wurde und bis heute Kultur, Geschäfte und Wohnviertel auf einer Linie verbindet. Wer dort wohnt, geht zu Fuß ins Theater.
Wie man den Theaterherbst plant
Wer mehrere Häuser besuchen will, beginnt am besten mit den frühen Premieren. Volkstheater und Residenztheater öffnen noch während der Wiesn-Wochen, das Gärtnerplatztheater Mitte Oktober. Für Premieren lohnt es sich, früh zu buchen, für Folgevorstellungen bleibt mehr Spielraum.
Für Gäste von außerhalb ist die Sprache ein Kriterium. Das Residenztheater zeigt einzelne Vorstellungen mit englischen Übertiteln, das Volkstheater spielt ausschließlich auf Deutsch. Die Rossini-Oper am Gärtnerplatz wird auf Italienisch mit deutschen und englischen Übertiteln gegeben.
Häufig gestellte Fragen
Welche Premieren gibt es im Herbst 2026 an Münchner Theatern?
Das Residenztheater zeigt ab 27. September 2026 „Die Dreigroschenoper“ und ab 10. Oktober „König Lear“. Das Volkstheater spielt ab 24. September „Die Geierwally“, das Gärtnerplatztheater startet am 16. Oktober mit „Die Reise nach Reims“.
Wer leitet die Münchner Kammerspiele?
Intendantin ist seit 2020 Barbara Mundel. Ihr Vertrag läuft bis 2028, die Stadt hat die Intendanz ab der Spielzeit 2028 neu ausgeschrieben.
Wo steht das Münchner Volkstheater?
Seit Herbst 2021 spielt das Volkstheater in einem Neubau an der Tumblingerstraße 29 im Schlachthofviertel. Intendant ist seit 2002 Christian Stückl.
Eine Stadt, die sich Bühnen leistet
Der Münchner Theaterherbst zeigt eine seltene Breite: das große Staatsschauspiel, ein städtisches Haus mit bundesweitem Profil, ein junges Volkstheater und ein Musiktheater, das von Rossini bis zum Opernball reicht.
Für die Viertel östlich der Isar liegt ein Teil dieser Vielfalt buchstäblich auf dem Weg. Die Maximilianstraße verbindet Haidhausen und das Lehel mit zwei der wichtigsten Bühnen der Stadt, und ein Theaterabend beginnt hier oft mit einem Spaziergang über die Brücke.
Quellen
- muenchen.travel: Theater in München, Premieren und Programm 2026/27: https://www.muenchen.travel/artikel/kunst-kultur/theater-premieren-programm
- kultur-muenchen.de: Residenztheater, Termine und Programm: https://www.kultur-muenchen.de/kultur/muenchen/auffuehrungen/schauspiel.muenchen/termine.html
- Staatstheater am Gärtnerplatz: Spielzeit 2026/2027: https://www.gaertnerplatztheater.de/en/press/das-staatstheater-am-gaertnerplatz-praesentiert-die-spielzeit-20262027.html
- nachtkritik.de: Münchner Kammerspiele, Unterstützung für Mundel: https://nachtkritik.de/meldungen/muenchner-kammerspiele-unterstuetzung-fuer-mundel
- Heilbronner Stimme (dpa): Münchner Kammerspiele räumen bei Kritikerumfrage ab: https://www.stimme.de/leben/panorama/nachrichten/kultur/muenchner-kammerspiele-raeumen-bei-kritikerumfrage-ab-art-5203417
- Wikipedia (englisch): Munich Kammerspiele: https://en.wikipedia.org/wiki/Munich_Kammerspiele
- Wikipedia (englisch): Münchner Volkstheater: https://en.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnchner_Volkstheater
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