Das Maximilianeum: Ein Parlament am Ende einer Prachtstraße
- Das Maximilianeum am Isarhochufer wurde von 1857 bis 1874 nach Plänen von Friedrich Bürklein für König Maximilian II. gebaut und schließt die Maximilianstraße nach Osten ab.
- Es beherbergt seit 1876 die Stiftung Maximilianeum, die besonders begabte bayerische Abiturienten fördert und seit 1980 auch Frauen aufnimmt; rund 50 Stipendiaten wohnen im Haus.
- Seit dem 11. Januar 1949 tagt im Maximilianeum der Bayerische Landtag.
Wer die Maximilianstraße nach Osten geht, hat es immer vor Augen: ein langgestrecktes Gebäude mit Bogenhallen über der Isar, das im Abendlicht golden leuchtet. Die meisten Münchner kennen es als Sitz des Landtags. Gebaut wurde es für etwas anderes, und dieser ursprüngliche Zweck lebt bis heute in seinen Mauern fort.
Ein König will einen Abschluss
König Maximilian II., der 1848 den Thron bestieg, wollte München eine eigene Prachtstraße geben, wie sein Vater Ludwig I. mit der Ludwigstraße. Sie sollte von der Residenz nach Osten führen, über die Isar hinweg, und auf dem gegenüberliegenden Hochufer mit einem Bauwerk enden, das man von der ganzen Straße aus sieht.
Der Weg zu diesem Bau war lang. Erste Entwürfe von Eduard Metzger und Ludwig Lange fanden 1845 und 1848 keine Zustimmung. 1850 schrieb der König einen internationalen Wettbewerb aus, der mangels Teilnehmern zweimal verlängert werden musste. Die Jury prüfte 17 Einsendungen, 1854 ging der erste Preis an den Berliner Architekten Wilhelm Stier. Der König lehnte den Entwurf ab und beauftragte stattdessen seinen Baubeamten Friedrich Bürklein.
Am 6. Oktober 1857 legte Max II. den Grundstein. Der Bau zog sich über 17 Jahre hin.
Eine Straße als Bühne
Um das Maximilianeum zu verstehen, muss man die Straße kennen, die zu ihm hinführt. Die Gestaltung der Maximilianstraße begann 1852. Bürklein plante sie als einen einzigen Zug, der vom Max-Joseph-Platz an der Residenz absolut gerade nach Südosten verläuft. Die Bauleitung hatte Arnold von Zenetti, die Bepflanzung verantwortete der Gartenkünstler Carl von Effner.
Kurz vor dem heutigen Altstadtring weitet sich die Straße zu einem Forum. Auf der Nordseite steht das Regierungsgebäude von Oberbayern, ebenfalls von Bürklein, gegenüber das heutige Museum Fünf Kontinente nach Plänen von Eduard Riedel. In der Mitte des Forums erinnert seit 1875 das Maxmonument von Caspar von Zumbusch an den König. Danach öffnet sich der Blick über die Isar. Erst von hier aus wird klar, wofür die ganze Achse gebaut ist: Sie führt das Auge über Brücke und Fluss den Hang hinauf, bis zu dem Gebäude, das sie abschließt.
Der Stil der Straße, eine Mischung aus Neogotik und Neorenaissance, stieß schon bei Zeitgenossen auf Kritik. Städtebaulich gilt er dennoch als einzigartig in München. Das Maximilianeum ist sein Schlusspunkt, und an ihm lässt sich ablesen, wie der König selbst am Ende von der Gotik abrückte.
Gotik oder Renaissance
Bürkleins Entwurf folgte zunächst dem Stil, den Max II. für seine Straße bevorzugte, einer Mischung aus Gotik und modernen Elementen, die man später Maximiliansstil nannte. Die Arkaden sollten Spitzbögen erhalten. Doch kurz vor seinem Tod, am 5. Februar 1864, änderte der König den Plan: Statt der Spitzbögen ordnete er Rundbögen im Stil der Neurenaissance an, mit Säulen und Pilastern. Der Mitteltrakt stand zu diesem Zeitpunkt bereits bis ins erste Obergeschoss.
Max II. starb im März 1864. Sein Sohn Ludwig II. führte den Bau weiter, finanziert größtenteils aus den Zinsen des Stiftungskapitals. 1872 fielen die Gerüste an der Schaufront, 1874 war das Gebäude innen und außen vollendet, nach Angaben des Landtags einfacher als geplant und stellenweise mangelhaft ausgeführt.
Was blieb, ist eine Fassade, die man nicht vergisst. Sie ist mit Terrakotta verkleidet, besteht aus einem leicht konkav geschwungenen Mitteltrakt und zwei geraden Seitenflügeln mit zweigeschossigen Bogenhallen. Über dem Mittelrisalit steht eine geflügelte Nike. In den Giebelfeldern ersetzten 1902 Mosaiken die verwitterten Wandbilder, über der unteren Arkadenreihe reihen sich 22 Büsten. Terrakotta trägt auch die Fassade von St. Johann Baptist am Johannisplatz, nur wenige Minuten entfernt.
Ein Haus für die Besten
Der eigentliche Zweck des Gebäudes war die Bildung. Bereits 1852 hatte Max II. die Stiftung Maximilianeum gegründet. Sie sollte besonders begabten bayerischen Abiturienten ein Studium ohne finanzielle Sorgen ermöglichen. Seit 1876 wohnen die Stipendiaten im Maximilianeum, mit Blick über die Isar auf die Stadt.
Die Aufnahme ist bis heute anspruchsvoll. Nach Angaben der Stadt darf im Abiturzeugnis keine Note schlechter als 1 minus stehen. Früher waren die Stipendiaten verpflichtet, in den Staatsdienst zu gehen, das ist heute nicht mehr so; offen stehen alle Fächer außer Medizin und Theologie. Seit 1980 nimmt die Stiftung auch Frauen auf. Rund 50 Stipendiaten leben heute im Haus, Tür an Tür mit den Abgeordneten.
Zum Stiftungsvermögen gehörte eine Galerie mit 30 Historiengemälden und 24 Marmorbüsten, verteilt auf drei Säle. Am 25. April 1944 zerstörten Brandbomben 13 der Gemälde. Die übrigen 17 befinden sich heute im Besitz der Stiftung, der Neuen Pinakothek und des Landtags. Im Steinernen Saal, benannt nach dem Festsaal des Nymphenburger Schlosses, hängen bis heute zwei große Krönungsbilder: Friedrich Kaulbachs „Kaiserkrönung Karls des Großen“ von 1861 und August von Krelings „Kaiserkrönung Ludwigs des Bayern“ von 1859.
Vom Trümmerbau zum Parlament
Bei Kriegsende waren etwa zwei Drittel des Gebäudes zerstört. Bis 1950 wurden die Schäden beseitigt, den Wiederaufbau leitete der Architekt Karl Kergl. Noch während der Arbeiten fand das Maximilianeum eine neue Bestimmung. Am 11. Januar 1949 zog der Bayerische Landtag ein, der nach dem Krieg einen Sitz suchte. Bis 1999 tagte hier auch der Bayerische Senat, die zweite Kammer des Freistaats.
Seither ist das Haus mehrfach gewachsen. 1958 und 1959 entstanden Anbauten im Norden und Süden, von 1978 bis 1986 wurde der Altbau saniert, Anfang der 1990er Jahre folgten eine Tiefgarage und die Erweiterung der Anbauten nach Entwürfen von Volker Staab und Jürgen Pleuser. Ab 2010 kam ein weiterer Saalbau im Norden hinzu. Die historische Schaufront zur Stadt blieb dabei erhalten.
2024 feierten Landtag und Stiftung 150 Jahre Maximilianeum mit Führungen durch Gemäldegalerie, Steinernen Saal und Plenarsaal. Das Jubiläum erinnerte daran, dass das Haus bis heute zwei Herren dient: der Politik und der Bildung.
Das Maximilianeum besuchen
Der Landtag ist ein offenes Haus, wenn auch mit Regeln. Führungen werden online angemeldet, der Eintritt ist kostenlos, und beim Einlass an der Ostpforte sind ein Lichtbildausweis und eine Sicherheitskontrolle nötig. Größere Taschen und Rucksäcke bleiben draußen. Einmal im Jahr öffnet der Landtag zu einem Tag der offenen Tür, an dem auch die Sitzungssäle zu sehen sind. Aktuell ist der Zugang nach Angaben der Stadt wegen Bauarbeiten eingeschränkt; Termine und Bedingungen nennt der Landtag auf seiner Website.
Wer nicht hineinwill, hat trotzdem etwas vom Maximilianeum. Von der Brüstung vor dem Gebäude reicht der Blick über die Isar die Maximilianstraße entlang bis zur Altstadt, nach Angaben der Stadt bis zur Frauenkirche und zur Staatsoper. Am schönsten ist er zum Sonnenuntergang, wenn die Fassade das letzte Licht fängt und die Straße unter ihr zu leuchten beginnt.
Ein Nachbar für Haidhausen
Für Haidhausen ist das Maximilianeum mehr als eine Sehenswürdigkeit. Es markiert die Grenze des Viertels zum Fluss und zur Stadt. Wer am JOHANNISPLATZ wohnt, erreicht es in wenigen Minuten zu Fuß über den Max-Weber-Platz, und die Straßenbahn hält an einer Station, die seinen Namen trägt. Die Isar, die Maximiliansanlagen und die Altstadt liegen dahinter.
Am Johannisplatz baut Legat Living ein Haus mit zwölf Wohnungen, dessen Fassade seit August 2026 fertig ist. Besichtigungen sind möglich. Auch von der THOMAS-MANN-ALLEE im Herzogpark ist das Maximilianeum nicht weit; ein Spaziergang an der Isar entlang durch die Maximiliansanlagen führt dorthin.
Häufig gestellte Fragen
Wer hat das Maximilianeum gebaut?
Der Architekt Friedrich Bürklein im Auftrag von König Maximilian II. Grundsteinlegung war am 6. Oktober 1857, fertiggestellt wurde der Bau 1874 unter Ludwig II.
Was ist die Stiftung Maximilianeum?
Eine 1852 von Max II. gegründete Stiftung, die besonders begabte bayerische Abiturienten während des Studiums fördert. Die Stipendiaten wohnen im Maximilianeum, seit 1980 werden auch Frauen aufgenommen.
Kann man das Maximilianeum besichtigen?
Ja. Der Landtag bietet kostenlose Führungen mit Online-Anmeldung an, dazu einmal im Jahr einen Tag der offenen Tür. Beim Einlass sind ein Lichtbildausweis und eine Sicherheitskontrolle nötig.
Ein Bau mit zwei Bestimmungen
Das Maximilianeum ist ein seltener Fall: ein Prachtbau, der seinen ursprünglichen Zweck nie aufgegeben hat, obwohl ein anderer ihn überlagert.
Für die Nachbarschaft ist es ein Fixpunkt. Es schließt eine Straße ab, rahmt einen Park und gibt einem Viertel eine Silhouette. Und es erinnert daran, dass ein König, der eine Prachtstraße plante, an ihrem Ende ein Haus errichten ließ, in dem bis heute junge Menschen leben und lernen.
Quellen
1. Bayerischer Landtag: The Maximilianeum, one name, three meanings: https://www.bayern.landtag.de/en/maximilianeum/maximilianeum/
2. Bayerischer Landtag: Kunstführer Maximilianeum (2010): https://www.bayern.landtag.de/fileadmin/publikationen/Kunstfuehrer_deutsch_2010.pdf
3. Bayerischer Landtag: 150 Jahre Maximilianeum (Informationsblatt): https://www.bayern.landtag.de/fileadmin/Bilder_Videos_Internet/K_2_Online-Kommunikation/Werbeflyer_150JahreMaximilianeum.pdf
4. Landeshauptstadt München: Maximilianeum: https://www.muenchen.de/sehenswuerdigkeiten/bauwerke-und-denkmaeler/maximilianeum
5. Landeshauptstadt München: Türme und Hügel für tolle Ausblicke: https://www.muenchen.de/sehenswuerdigkeiten/aussichtspunkte-muenchen-tipps-fuer-den-besten-ausblick
6. Legat Living: JOHANNISPLATZ: https://www.legat-living.de/de/johannisplatz.html
7. Wikipedia: Maximilianstraße (München): https://de.wikipedia.org/wiki/Maximilianstra%C3%9Fe_(M%C3%BCnchen)
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