© Legat Living

Naturstein am Bau: Fassade, Waschtisch, Bodenbelag

  • Naturstein an hinterlüfteten Außenwandbekleidungen ist über DIN 18516-3 in Verbindung mit DIN 18516-1 geregelt. Die Norm gilt für Platten nach DIN EN 1469 mit Nenndicken ab 30 Millimetern, statisch beanspruchte Klebungen sind unzulässig.
  • Kalkhaltige Gesteine wie Marmor, Kalkstein und Travertin reagieren empfindlich auf Säure. Handelsübliche Kalkreiniger, Essig und Zitronensäure greifen die Oberfläche an, weshalb ausschließlich pH-neutrale Natursteinreiniger verwendet werden dürfen.
  • Die Oberflächenbearbeitung entscheidet über Wirkung und Nutzung: Polierte und feingeschliffene Flächen zeigen Farbe und Struktur des Gesteins am deutlichsten, raue Bearbeitungen wie geflammt oder gestockt wirken ruhiger und erfordern einen Dickenzuschlag.

Naturstein ist das einzige Baumaterial, das älter ist als das Gebäude, in dem es verbaut wird. Genau daraus ergeben sich seine Stärken und seine Anforderungen. Wer ihn an Fassade, Waschtisch und Boden einsetzt, trifft drei verschiedene Entscheidungen, die nur eines gemeinsam haben: den Namen.

Warum die Gesteinsart wichtiger ist als der Handelsname

Im Steinhandel kursieren Namen, die geologisch nicht stimmen. Als Granit wird vieles verkauft, was kein Granit ist, darunter dunkle Kalksteine und Blausteine, aber auch Gabbro und Basalt, die zwar Silikatgesteine sind, aber andere Eigenschaften haben. Für die Optik mag das gleichgültig sein, für Pflege und Eignung ist es entscheidend.

Die wichtigste Unterscheidung verläuft zwischen kalkhaltigen und silikatischen Gesteinen. Zur ersten Gruppe zählen Marmor, Kalkstein, Muschelkalk, Jura und Travertin. Sie bestehen im Kern aus Kalziumkarbonat und reagieren mit Säure. Zur zweiten Gruppe gehören Granit, Gneis und Quarzit, die deutlich härter und in der Regel säurefest sind.

Marmor und Kalkstein sind dabei näher verwandt, als ihr Ruf vermuten lässt. Marmor entsteht aus Kalkstein unter Druck und Hitze, er ist kristalliner und dichter. Kalkstein ist ein Sedimentgestein, oft mit sichtbaren Fossilien und einer ruhigeren Struktur. Beide bringen dieselbe Empfindlichkeit mit.

Wer unsicher ist, kann an einer verdeckten Stelle einen Tropfentest mit verdünnter Säure machen. Schäumt es oder wird die Stelle matt, handelt es sich um ein kalkhaltiges Gestein. Diese Auskunft sollte allerdings ohnehin in der Baubeschreibung stehen, und zwar mit der geologischen Bezeichnung, nicht nur mit dem Handelsnamen.

Fassade: eine statische Aufgabe

An der Fassade ist Naturstein kein Belag, sondern ein Bauteil mit Standsicherheitsnachweis. Für hinterlüftete Außenwandbekleidungen gilt DIN 18516-3 in Verbindung mit DIN 18516-1. Sie regelt Platten nach der europäischen Produktnorm DIN EN 1469 mit Nenndicken ab 30 Millimetern und deren Befestigung über Ankerdorne, Steckdornen, Schraubanker oder Nutlagerung.

Zwei Punkte daraus verdienen Aufmerksamkeit. Erstens sind statisch beanspruchte Klebungen unzulässig. Jede Platte hängt mechanisch, im Regelfall an vier, mindestens an drei Punkten. Zweitens ist für Platten, Befestigungen und Verankerungen ein statischer Nachweis nach Teilsicherheitskonzept zu führen, und die Anker werden unter Baustellenbedingungen im Bauwerksversuch geprüft.

Die Hinterlüftung ist dabei kein Detail, sondern das Funktionsprinzip. Zwischen Dämmung und Steinplatte liegt eine belüftete Luftschicht, die Feuchtigkeit abführt. Das schützt die Konstruktion, erlaubt große Dämmstärken und macht die Bekleidung vom Wärmeschutz unabhängig. Frostbeständigkeit des Gesteins ist Voraussetzung, geprüft wird sie beim Gefrieren an Luft anders als bei Bodenplatten, die unter Wasser gefrieren.

Für die Optik gilt eine Regel, die viele überrascht: Je rauer die Bearbeitung, desto ruhiger wirkt die Fläche. Polierte und feingeschliffene Oberflächen bringen Farbe und Struktur des Gesteins voll zur Geltung, was an einer großen Fassade schnell unruhig wirkt. Geflammte, gestockte oder sandgestrahlte Flächen mildern die Zeichnung, brauchen dafür aber einen Dickenzuschlag, weil Material abgetragen wird.

Waschtisch und Bad: die empfindlichste Anwendung

Im Bad trifft Naturstein auf seine schwierigsten Gegner, und keiner davon ist der Wasserdruck. Es sind Kalk, Seife und Reinigungsmittel. Kalkflecken entstehen dort, wo Wasser verdunstet. Verbinden sie sich mit Seifenresten, entsteht Kalkseife, eine harte Schicht, die sich mit jeder Woche schlechter entfernen lässt. Der naheliegende Griff zum Kalkreiniger ist bei kalkhaltigen Gesteinen genau der falsche: Handelsübliche Kalklöser sind sauer eingestellt und lösen nicht nur die Ablagerung, sondern die Steinoberfläche gleich mit. Ein Spritzer Essigreiniger genügt für eine dauerhaft matte Stelle.

Daraus folgt eine kurze Pflegeregel für Marmor, Kalkstein und Travertin: nur pH-neutrale Natursteinreiniger, kein Essig, keine Zitronensäure, kein Backpulver. Wasser nach der Nutzung abziehen oder trockenwischen, dann entsteht der Kalk gar nicht erst. Sind bereits matte Stellen vorhanden, hilft keine Chemie, sondern nur mechanisches Nacharbeiten, im Zweifel durch einen Steinmetz.

Eine Imprägnierung reduziert die Wasseraufnahme und verhindert, dass Flüssigkeiten sofort tief eindringen. Sie ist ein Fleckschutz und keine Versiegelung: Der Stein bleibt diffusionsoffen, und die Behandlung muss je nach Belastung wiederholt werden.

Wer diese Pflege nicht leisten will, wählt anders. Für Dusche und stark beanspruchte Flächen eignen sich robuste, imprägnierte Hartgesteine mit rutschhemmender Oberfläche, während kalkhaltige Steine ihre Stärken in trockeneren Zonen ausspielen. Ein Waschtischblock aus Naturstein in einem sonst gefliesten Bad ist deshalb oft die klügere Lösung als ein durchgehend belegter Nassbereich. Zwei Anmerkungen noch: Einige schwarze Hartgesteine enthalten Feldspatanteile, die auf Säure reagieren, und geölter Schiefer verträgt weder Säure noch Schaber.

Boden: Härte, Rutschhemmung, Aufbauhöhe

Am Boden zählen drei Eigenschaften. Die Abriebfestigkeit entscheidet darüber, wie eine Fläche nach zehn Jahren aussieht, besonders auf Laufwegen im Eingangsbereich. Hartgesteine sind hier klar im Vorteil, Weichgesteine zeigen Gebrauchsspuren früher.

Die Rutschhemmung hängt an der Oberflächenbearbeitung, nicht am Gestein. Polierter Stein ist im nassen Zustand rutschig, geschliffene, gebürstete oder geledert bearbeitete Flächen bieten mehr Halt. In Bad, Küche und Eingangsbereich sollte diese Frage vor der Materialwahl geklärt werden, nicht danach.

Die Aufbauhöhe wird regelmäßig unterschätzt. Naturstein wird in größeren Dicken verlegt als Feinsteinzeug, und diese Differenz muss im Estrich berücksichtigt sein. Wer sich nach dem Estrich umentscheidet, kämpft mit Türblättern, Schwellen und Übergängen. Der richtige Zeitpunkt für diese Entscheidung liegt in der Rohbauphase.

Ein weiterer Punkt betrifft die Fußbodenheizung. Naturstein leitet Wärme gut und eignet sich dafür grundsätzlich hervorragend. Zu klären sind der Aufbau, die zulässige Aufheizkurve und die Frage, ob das Gestein zu Verfärbungen durch aufsteigende Feuchtigkeit neigt, was bei hellen, saugfähigen Steinen vorkommt.

Das Fugenbild verrät die Planung

Wer die Qualität einer Natursteinarbeit beurteilen will, schaut nicht auf die Fläche, sondern auf die Fugen und Kanten. Vier Punkte sind aussagekräftig. Erstens die Fugenbreite und ihre Gleichmäßigkeit. Naturstein arbeitet mit Toleranzen, die größer sind als bei Industrieprodukten, und die Fuge nimmt diese Toleranzen auf. Eine sehr schmale Fuge sieht edel aus und verzeiht nichts.

Zweitens die Anschlüsse an andere Materialien. Wo Stein auf Holz, Putz oder Glas trifft, entstehen Bewegungsfugen, deren Anordnung im Entwurf festgelegt sein sollte. Nachträglich gesetzte Fugen fallen immer auf.

Drittens der Verlauf über mehrere Flächen. Läuft die Fuge einer Bodenplatte auf die Kante des Waschtischs zu und geht dann in der Wand weiter, war das geplant. Solche Bezüge lassen sich nur mit einem Aufmaß am gebauten Raum herstellen.

Und viertens die Sortierung. Naturstein aus einem Bruch variiert in Farbe und Zeichnung. Eine gute Verlegung mischt diese Varianz gleichmäßig, statt eine helle und eine dunkle Zone entstehen zu lassen. Bei größeren Flächen wird der Stein dafür vorab ausgelegt und sortiert, was Zeit kostet und im Ergebnis sichtbar ist.

Herkunft, Bemusterung, Verfügbarkeit

Ein Punkt, der in Baubeschreibungen selten steht und in der Praxis viel entscheidet, ist die Herkunft des Materials. Naturstein kommt aus einem konkreten Bruch, und Brüche liefern über die Jahre unterschiedliche Qualitäten. Wer eine Fläche später ergänzen oder eine beschädigte Platte austauschen will, braucht Material aus derselben Lage. Ein Rest, der im Keller lagert, ist deshalb kein überflüssiger Verschnitt, sondern eine Versicherung.

Die Bemusterung sollte nie anhand einer Musterplatte in Handtellergröße erfolgen. Gesteine variieren in Farbe und Zeichnung, und ein Muster von zehn mal zehn Zentimetern zeigt davon nichts. Aussagekräftig sind großformatige Musterstücke, betrachtet bei Tageslicht und möglichst in der Einbaulage: eine Bodenplatte am Boden, eine Fassadenplatte senkrecht, jeweils trocken und einmal nass, weil sich die Farbwirkung dabei deutlich ändert.

Und schließlich der Zeitfaktor. Zwischen Auswahl, Bestellung, Zuschnitt und Lieferung liegen bei Naturstein Wochen bis Monate, je nach Format, Bearbeitung und Herkunft. Bei einem Sonderwunsch im Innenausbau ist deshalb oft nicht der Preis das Hindernis, sondern der Liefertermin, der sich in einen laufenden Bauablauf einfügen muss.

Alterung als der eigentliche Vorteil

Alle bisherigen Punkte beschreiben Aufwand. Der Grund, warum dieser Aufwand betrieben wird, liegt im Alterungsverhalten. Naturstein ist eines der wenigen Materialien, die durch Gebrauch besser werden.

Eine Kalksteinstufe, über die dreißig Jahre lang Menschen gegangen sind, bekommt eine leicht ausgetretene Mitte und einen weichen Glanz, den keine Fabrik erzeugt. Eine Fassade aus Muschelkalk verändert ihre Farbe über Jahrzehnte, ohne schäbig zu wirken. Beschichtete Oberflächen nehmen in derselben Zeit ausschließlich Schaden.

Diese Rechnung geht allerdings nur auf, wenn die Materialwahl zur Nutzung passt. Ein säureempfindlicher Stein an einer Küchenarbeitsfläche, auf der Zitronen geschnitten und Wein verschüttet wird, altert nicht, sondern verfleckt. Die Kunst besteht darin, jedem Ort das Gestein zuzuordnen, das seine Beanspruchung verträgt.

Bei unseren Projekten zeigt sich diese Zuordnung an der Thomas-Mann-Allee im Herzogpark besonders deutlich. Das Haus erhält eine Natursteinfassade, im Innenausbau sind Naturstein-Waschtische vorgesehen. Zwei Anwendungen desselben Werkstoffs, zwei völlig verschiedene Anforderungsprofile: Draußen zählen Frostbeständigkeit, Verankerung und Ruhe in der Fläche, drinnen Fleckverhalten, Haptik und die Pflege, die ein Haushalt tatsächlich leistet.

Häufig gestellte Fragen

Welcher Naturstein eignet sich für das Badezimmer?

Für stark beanspruchte Nassbereiche eignen sich imprägnierte Hartgesteine wie Granit, Gneis oder Quarzit mit rutschhemmender Oberfläche. Kalkhaltige Gesteine wie Marmor, Kalkstein und Travertin sind säureempfindlich und spielen ihre Stärken eher in trockeneren Zonen oder an einzelnen Bauteilen wie einem Waschtischblock aus.

Womit reinigt man Naturstein im Bad?

Ausschließlich mit pH-neutralen Natursteinreinigern. Handelsübliche Kalklöser, Essig und Zitronensäure greifen kalkhaltige Steine an und hinterlassen matte Stellen. Am wirksamsten ist Vorbeugung: Wasser nach der Nutzung abziehen oder trockenwischen, dann entstehen Kalkränder gar nicht erst.

Welche Norm gilt für Natursteinfassaden?

Für hinterlüftete Außenwandbekleidungen gilt DIN 18516-3 in Verbindung mit DIN 18516-1. Sie regelt Platten nach DIN EN 1469 mit Nenndicken ab 30 Millimetern, die mechanische Befestigung sowie den statischen Nachweis. Statisch beanspruchte Klebungen sind unzulässig.

Wann muss die Entscheidung für Naturstein am Boden fallen?

Vor dem Estrich. Naturstein wird in größeren Dicken verlegt als Feinsteinzeug, und diese Aufbauhöhe muss im Bodenaufbau eingeplant sein. Wer später wechselt, bekommt Probleme an Türen, Schwellen und Übergängen. Auch die Bemusterung braucht Vorlauf, weil Sortierung und Lieferung Zeit kosten.

Ein Material mit Gedächtnis

Naturstein verlangt drei Entscheidungen, die früh fallen müssen: die geologisch richtige Gesteinsart für den jeweiligen Ort, die passende Oberflächenbearbeitung und ein Fugenbild, das am gebauten Raum aufgemessen wurde. Alles drei lässt sich später nur mit erheblichem Aufwand korrigieren.

Dafür bekommt man ein Material, das den Bewohnern über Jahrzehnte folgt und ihre Nutzung sichtbar aufnimmt, ohne an Wert zu verlieren. Welche Steine in unseren Projekten wo eingesetzt werden und was ihre Pflege im Alltag bedeutet, besprechen wir gern konkret an der jeweiligen Wohnung.

 

Quellen

[1] Baunormenlexikon: DIN 18516-3, hinterlüftete Außenwandbekleidungen aus Naturwerkstein, https://www.baunormenlexikon.de/norm/din-18516-3/d243a504-88e7-4fec-981d-818bd0d72793

[2] Naturstein online: Mindestplattendicke von Natursteinfassaden, https://www.natursteinonline.de/portal/news/mindestplattendicke-von-natursteinfassaden

[3] Bautechnische Information Naturwerkstein: Fassadenbekleidung, https://www.hofmann-naturstein.com/wp-content/uploads/BTI-1.5_Fassadenbekleidung-Juli-2016.pdf

[4] Natursteinpflege: Bad, Dusche und Nassbereich, https://www.natursteinpflege24.de/bad-dusche-nassbereich-und-wc

[5] Natursteinpflege: Marmor und Kalkstein reinigen und pflegen, https://www.natursteinpflege24.de/marmor-kalkstein-pflegen

[6] Legat Living: THOMAS-MANN-ALLEE, Ausstattung und Materialien, https://www.legat-living.de/de/thomas-mann-allee.html

[7] Legat Living: Aktuelle Neubauprojekte in München, https://www.legat-living.de/de/projekte.html

Zuletzt aktualisiert:

Jakob Legat

Was Sie auch interessieren könnte

© Legat Living

Der Kamin in der Stadtwohnung: Was Recht, Technik und Planung heute verlangen

Ein Kamin gehört zu den Ausstattungsmerkmalen, die in einer Stadtwohnung selten geworden sind. Er ist heute kein Heizsystem mehr, sondern ein Ort im Raum. Wer ihn will, muss mit Emissionsgrenzwerten, dichten Gebäudehüllen und Lüftungstechnik umgehen. Im Neubau lässt sich das von Anfang an lösen. Im Bestand ist es oft schwieriger, als man denkt.

Weiterlesen …

© Alex Prechtl

Golf rund um München: Drei Clubs für den Herbst

Der Herbst ist für viele Golfer die schönste Zeit des Jahres. Die Hitze ist vorbei, das Licht wird weicher, die Plätze sind ruhiger als im Hochsommer. Rund um München liegen Clubs mit langer Geschichte, darunter der älteste Bayerns. Drei davon stellen wir vor: in der Stadt, am See und im Norden.

Weiterlesen …

© iStock/pwmotion

Die Au und der Mariahilfplatz: Haidhausens Nachbar unterm Hang

Wer von Haidhausen den Hang hinunter zur Isar geht, kommt in die Au. Das Viertel war lange ein Dorf der Handwerker und Tagelöhner, heute ist es ein ruhiger Teil der Stadt mit einem großen Platz in der Mitte. Dreimal im Jahr wird dieser Platz zum Markt. Ein Porträt der Au, ihrer Kirche und ihrer Dult.

Weiterlesen …

Zurück zur Newsübersicht