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Münchens Freibäder und das Müller’sche Volksbad

  • Das Müller’sche Volksbad entstand zwischen 1897 und 1901 nach einem Entwurf von Carl Hocheder und wurde am 1. Mai 1901 eröffnet. Es war das erste städtische Hallenbad Münchens und bei seiner Fertigstellung das größte und modernste Schwimmbad der Welt.
  • Finanziert wurde der Bau aus einer Schenkung des Münchner Ingenieurs Karl Müller an die Stadt, verbunden mit der Auflage, ein Bad für das unbemittelte Volk zu errichten. Anfangs standen 86 Wannenbäder und 22 Brausebäder zur Verfügung.
  • Die städtische Bäderchronologie beginnt 1858 mit dem Schyrenbad und führt über Bad Maria Einsiedel (1899), Ungererbad (1900), Volksbad (1901), Dantebad (1913) und Naturbad Georgenschwaige (1917) bis zum Prinzregentenbad von 1936.

Im August entscheidet sich in München viel an der Frage, welches Bad man kennt. Die Stadt hat Bäder aus fünf Jahrzehnten, ein Naturbad, durch das ein Kanal fließt, und ein Hallenbad, das bei seiner Eröffnung das größte der Welt war. Ein Überblick mit Geschichte.

Ein Bad als Stiftung

Am Anfang steht ein Ingenieur, der sein Vermögen verschenkte. Karl Müller, geboren 1821 und gestorben 1909, hatte zwischen 1861 und 1863 einen Komplex aus Miet- und Geschäftshäusern erworben. Diesen stiftete er der Stadt München unter einer klaren Auflage: verkaufen und mit dem Erlös ein Bad für das unbemittelte Volk errichten.

Die Auflage erklärt die Bauform. Um 1900 hatte kaum eine Wohnung ein eigenes Bad, geschweige denn eine Dusche. Ein öffentliches Bad war deshalb keine Freizeiteinrichtung, sondern Grundversorgung. Entsprechend gab es im Müller’schen Volksbad von Anfang an 86 Wannenbäder und 22 Brausebäder, dazu zwei Schwimmhallen, eine für Damen und eine für Herren.

Gebaut wurde zwischen 1897 und 1901, also in knapp vier Jahren. Am 1. Mai 1901 eröffnete das Haus, der inzwischen in den Adelsstand erhobene Stifter war anwesend. Bei der Eröffnung galt es als größtes und teuerstes öffentliches Schwimmbad der Welt.

Was Carl Hocheder gebaut hat

Der Architekt Carl Hocheder, 1854 geboren und 1917 gestorben, hat in München mehrere städtische und soziale Bauten errichtet, unter anderem das Hauptfeuerwehrhaus. Beim Volksbad orientierte er sich an orientalischen Hammams und römischen Thermenanlagen und legte darauf eine neubarocke Formensprache mit Jugendstilornamentik.

Das Ergebnis ist ein Haus, das sich nicht wie ein Zweckbau liest. Breite Treppen, Stuck, Wandmalereien und Bronzeplastiken gehören zur Grundausstattung. Der Wasserstrahl aus einem steinernen Löwenmaul gehört zu den Details, die Stammgäste zuerst nennen, wenn man sie nach dem Bad fragt.

Die Trennung in zwei Schwimmhallen ist heute nur noch ein Erbstück der Entstehungszeit, damals war sie Bedingung. Beide Hallen sind bis heute in Betrieb und unterscheiden sich in Größe und Ausstattung, weshalb Stammgäste eine Vorliebe für die eine oder die andere entwickeln.

Technisch war der Bau seiner Zeit ebenso voraus. Im Uhrturm liegen Reservewasserbehälter, die den Wasserdruck konstant halten, dazu das Triebwerk einer Turmuhr mit vier Zifferblättern. Beheizt wurde das Haus von Anfang an mit Fernwärme aus dem benachbarten Muffatwerk. Eine Kuriosität hielt sich bis 1978: Im Untergeschoss gab es ein Hundebad samt Warmluftbox zum Trocknen.

Das Volksbad liegt am Anfang der Rosenheimer Straße in der Au, zwischen Isar und Auer Mühlbach, in Sichtweite des Deutschen Museums und der Ludwigsbrücke. Von Haidhausen aus ist es der kurze Weg über die Brücke. Betrieben wird das Haus von den Stadtwerken München, die es in der Substanz weitgehend originalgetreu erhalten. Ein Café-Restaurant im selben Stil gehört dazu.

Die Chronologie der Münchner Bäder

Die Reihenfolge der Eröffnungen erzählt die Stadtgeschichte mit. 1858 kam das Schyrenbad, das älteste Bad der Stadt, ursprünglich eine reine Männerbadeanstalt. 1899 folgte Bad Maria Einsiedel im Süden, 1900 das Ungererbad in Schwabing, 1901 das Volksbad. 1913 kam das Dantebad, 1917 das Naturbad Georgenschwaige, 1936 das Prinzregentenbad.

Bis in die 1930er Jahre ging es dabei um Hygiene und Körperertüchtigung, nicht um Freizeit. Danach änderte sich der Zweck. 1941 kam das Nordbad, in den Nachkriegsjahrzehnten das Michaeli-Freibad, das Südbad, das West- und Freibad West, 1972 die Olympia-Schwimmhalle und 1980 das Cosimawellenbad. Wer heute im Volksbad schwimmt, benutzt also das älteste Glied einer Kette, die sich über mehr als hundertzwanzig Jahre entwickelt hat.

Auffallend ist die Dichte um 1900. Innerhalb von drei Jahren entstanden Maria Einsiedel, das Ungererbad und das Volksbad. Das war kein Zufall, sondern die Reaktion auf ein Wachstum, das die Stadt in dieser Zeit von einer Residenz zur Großstadt machte. Wer Hunderttausende neue Einwohner aufnimmt, braucht Wasser zum Waschen, bevor er Wasser zum Schwimmen anbietet.

Bemerkenswert ist, dass die ältesten Häuser überlebt haben. Schyrenbad, Maria Einsiedel, Ungererbad und Volksbad sind in Betrieb, während anderswo Bäder aus dieser Zeit längst abgerissen wurden.

Maria Einsiedel: Ein Kanal als Becken

Das Naturbad Maria Einsiedel im Süden der Stadt fällt aus jedem Vergleich. Statt eines gefliesten Beckens fließt hier auf fast 400 Metern Länge ein Isarkanal durch die Anlage. Das Wasser ist fließend, kalt und unbeheizt, die Strömung spürbar.

Wer daran gewöhnt ist, kommt wegen genau dieser Eigenschaften. Wer nicht, sollte wissen, dass der Einstieg auch im Hochsommer eine Entscheidung ist. Bei Lufttemperaturen unter zwanzig Grad bleibt das Bad geschlossen, ebenso wie das Dante-Freibad, das Michaeli-Freibad und das Ungererbad. Schyrenbad, Prinzregentenbad und Naturbad Georgenschwaige haben an solchen Tagen bis 19 Uhr geöffnet.

Das Bad ist 1899 eröffnet worden und damit zwei Jahre älter als das Volksbad. Alter Baumbestand, weite Liegewiesen und der lange Wasserlauf machen es zu einer Anlage, die eher an einen Park mit Bademöglichkeit erinnert als an ein Freibad.

Vier Bäder für vier Temperamente

Das Schyrenbad in der Au ist das älteste und zugleich das ruhigste. Aus der Männerbadeanstalt von 1858 ist ein Familienbad geworden, das sich seinen zurückhaltenden Charakter bewahrt hat.

Das Ungererbad in Schwabing ist der Gegenentwurf. Es gilt als das gesellige Bad der Stadt, in dem Studierende, Familien und ältere Stammgäste nebeneinander liegen und in dem an heißen Tagen viel los ist.

Das Dantebad von 1913 ist das Bäder-Arbeitstier. Sein Stadionbereich hat an warmen Tagen bis 23 Uhr geöffnet, was es zum Ziel für alle macht, die nach der Arbeit noch Bahnen schwimmen wollen.

Das Prinzregentenbad in Bogenhausen, eröffnet 1936, ist das Bad mit den weitesten Liegewiesen und altem Baumbestand. Es liegt an der Prinzregentenstraße, also an der Achse, die Lehel, Bogenhausen und den Herzogpark verbindet, und gehört für die östlichen Stadtteile zur Grundausstattung des Sommers.

Welches Bad zu welcher Adresse gehört

Die Bäderfrage ist eine Lagefrage, und sie wird beim Wohnungskauf regelmäßig unterschätzt. Ein Bad, das man zu Fuß oder mit einer Tramfahrt erreicht, benutzt man mehrmals pro Woche. Eines, für das man das Auto braucht, benutzt man dreimal im Sommer.

Für das HAUS KÖNIGSWIESE in der Neuberghauser Straße und die THOMAS-MANN-ALLEE in der Pienzenauer Straße ist das Prinzregentenbad das nächstgelegene Freibad. Beide Adressen liegen im Einzugsbereich derselben Achse. Vom JOHANNISPLATZ in Haidhausen führt der Weg über die Ludwigsbrücke zum Volksbad und weiter zum Schyrenbad, beides Ziele für einen Fußweg. Von den MAX HÖFEN in der Türkenstraße sind das Ungererbad und die Georgenschwaige die nächsten Anlaufstellen nach Norden.

In den MAX HÖFEN gibt es zusätzlich einen eigenen Fitness- und Wellnessbereich im Haus. Das ersetzt kein Freibad im August, deckt aber die neun Monate ab, in denen die städtischen Freianlagen geschlossen sind.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde das Müller’sche Volksbad eröffnet?

Am 1. Mai 1901, nach einer Bauzeit von knapp vier Jahren ab 1897. Es war das erste städtische Hallenbad Münchens und galt bei seiner Eröffnung als größtes und modernstes Schwimmbad der Welt. Den Entwurf lieferte Carl Hocheder.

Warum heißt das Volksbad so?

Es ist nach seinem Stifter benannt, dem Münchner Ingenieur Karl Müller. Er übereignete der Stadt einen Häuserkomplex mit der Auflage, den Verkaufserlös für ein Bad für das unbemittelte Volk zu verwenden. Daher auch die ursprünglich 86 Wannen- und 22 Brausebäder.

Welches ist das älteste Bad Münchens?

Das Schyrenbad in der Au. Die Stadtwerke München datieren seine Eröffnung auf 1858. Es begann als reine Männerbadeanstalt und ist heute ein Freibad für alle Altersgruppen. Zweitältestes ist Bad Maria Einsiedel von 1899.

Was ist am Naturbad Maria Einsiedel besonders?

Durch die Anlage fließt auf fast 400 Metern Länge ein Isarkanal, der als Badegewässer dient. Das Wasser ist unbeheizt und fließend. Bei Lufttemperaturen unter zwanzig Grad bleibt das Bad geschlossen, ebenso das Dante-Freibad, das Michaeli-Freibad und das Ungererbad.

Warum ein Bad mehr ist als ein Becken

Das Müller’sche Volksbad ist gebaute Sozialgeschichte. Ein Ingenieur verschenkt sein Vermögen, eine Stadt baut dafür kein nüchternes Zweckhaus, sondern ein Haus mit Kuppeln, Stuck und einem Löwenmaul als Wasserspeier. Der Gedanke dahinter ist heute so ungewöhnlich wie damals: Wer wenig hat, soll nicht in einer schlechteren Umgebung baden als alle anderen.

Im August braucht man diese Begründung nicht. Da zählt, dass die Liegewiese Schatten hat, das Wasser die richtige Temperatur und der Weg dorthin kurz ist. Wer beides verbinden will, geht an einem heißen Nachmittag ins Freibad und an einem verregneten Vormittag in die Jugendstilhalle an der Rosenheimer Straße.

[nbsp]

Quellen

[1] Wikipedia, Müllersches Volksbad, https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCllersches_Volksbad

[2] SWM Magazin, Das Jugendstil-Schwimmbad in München, https://www.swm.de/unternehmen/magazin/leben/jugendstil-schwimmbad-muenchen

[3] SWM Magazin, Die Geschichte der Münchner Bäder, https://www.swm.de/unternehmen/magazin/leben/geschichte-muenchner-baeder

[4] SWM, Freibäder München, https://www.swm.de/baeder/freibaeder-muenchen

[5] München Tourismus, Münchner Bäder, https://www.muenchen.travel/artikel/sport-freizeit/muenchner-baeder

[6] MunichArtToGo, Das Müller’sche Volksbad, https://municharttogo.zikg.eu/items/show/167

[7] München Tourismus, Müller’sches Volksbad, https://www.muenchen.travel/pois/stadt-viertel/muellersches-volksbad

Irmela Schwab

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