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Gasteig-Viertel: Wenn Kultur und Wohnlage sich gegenseitig aufwerten

  • Das Gasteig-Viertel umfasst den Stadtraum rund um das städtische Kulturzentrum Gasteig an der Rosenheimer Straße 5 in Haidhausen, am rechten Isar-Hochufer zwischen Maximilianeum und Wiener Platz.
  • Der Gasteig wurde 1985 eröffnet und ist mit Münchner Philharmonikern, Volkshochschule, Stadtbibliothek und Hochschule für Musik und Theater Europas größtes städtisches Kulturzentrum, bis zur voraussichtlichen Fertigstellung der Generalsanierung 2033 sind die Institutionen im Interimsquartier Gasteig HP8 in Sendling.
  • Während der Sanierung wird das Gasteig-Gebäude durch die gemeinnützige Fat Cat GmbH zwischengenutzt, die über 170 Künstlerinnen und Künstler in Ateliers, Proberäumen und einem Dachkulturgarten beheimatet.

An keinem anderen Ort in München treffen Konzertsaal, Bibliothek, Volkshochschule, Hochschule, Park, Fluss, Wahrzeichen und ein historisches Wirtshaus auf so engem Raum aufeinander. Wer im Mai vom Wiener Platz zum Maximilianeum spaziert, durchquert dabei eines der dichtesten Kulturareale Deutschlands. Es heißt Gasteig-Viertel, und es prägt seine Wohnadressen seit vierzig Jahren.

Was der Gasteig ist, war und sein wird

Der Gasteig in der Rosenheimer Straße 5 wurde 1985 als städtisches Kulturzentrum eröffnet. Der Name geht zurück auf den „gaachen Steig", den steilen Weg von der Isar hinauf nach Haidhausen, der schon im Mittelalter den Aufstieg auf die Hochterrasse markierte. Architektonisch ist der Gasteig ein Backsteinriese: 90 000 Quadratmeter Nutzfläche, geclustert um die Philharmonie als zentralen Konzertsaal, mit Lichthof, Tiefgaragenrampen und einer markanten Treppenanlage zur Rosenheimer Straße hin.

Im Inneren versammelt sich, was an Münchner Stadtkultur strukturell sichtbar ist: die Münchner Philharmoniker mit ihrem Residenzsaal, die Münchner Volkshochschule mit dem größten Programm Deutschlands, die Stadtbibliothek mit ihrer Zentrale, die Hochschule für Musik und Theater mit Studierenden aus aller Welt. Dazu kommen Vortragssäle, das Black Box-Theater, Kammerkonzerträume, gastronomische Betriebe und der Innenhof, in dem im Sommer Open-Air-Veranstaltungen stattfanden.

40 Jahre Betrieb hinterlassen Spuren. 2021 zogen die Institutionen in das Interimsquartier Gasteig HP8 nach Sendling, ein neu errichtetes Kulturareal auf einem Gelände der Stadtwerke München an der Hans-Preißinger-Straße 8. Dort befindet sich seither die Isarphilharmonie mit rund 1900 Plätzen, die denkmalgeschützte Halle E als Foyer und Stadtbibliotheks-Standort, daneben Räume für Volkshochschule und Hochschule.

Das Stammhaus in Haidhausen wird seitdem zwischen Erneuerung und Zwischennutzung geführt. Im Dezember 2023 hat der Münchner Stadtrat beschlossen, dass der Gasteig als europäisch maßstabbildendes Kulturzentrum architektonisch weiterentwickelt und technisch modernisiert werden soll. Die Mindestbauzeit wird derzeit bis 2033 veranschlagt. Bis zum Beginn der eigentlichen Sanierungsarbeiten bespielt die gemeinnützige Fat Cat GmbH das Gebäude mit Ateliers, Proberäumen, Veranstaltungen und einem Kulturgarten auf dem Dach. Über 170 Künstlerinnen und Künstler haben hier Räume.

Das Gasteig-Viertel ist damit im Mai 2026 in einer eigentümlichen Übergangsphase. Die institutionelle Kultur ist in Sendling. Die experimentelle Kultur ist am alten Standort. Die Lage selbst, das Quartier, bleibt.

Was die Lage so besonders macht

Wer auf einer Karte den Gasteig markiert und dann den Stadtraum von dort aus betrachtet, erkennt sofort, warum das Viertel so dicht bespielt ist. Im Süden liegt die Rosenheimer Straße mit dem Müller'schen Volksbad, dem ältesten Hallenbad Münchens (1901), Jugendstil-Architektur erster Klasse. Im Osten liegt Haidhausen mit dem Wiener Platz und seinem Hofbräukeller, einem der ältesten Münchner Wirtshäuser noch heutigen Betriebs. Im Norden liegt das Maximilianeum, Sitz des Bayerischen Landtags und visueller Endpunkt der Maximilianstraße. Im Westen fällt das Isar-Hochufer ab, mit den Maximiliansanlagen, dem Friedensengel in Sichtweite und der Brücke zum Lehel.

Das ist die geographische Konstellation: vier Kulturadressen ersten Ranges, ein historischer Platz, ein Wirtshaus mit Geschichte, ein Bad mit Architektur, eine Brücke, ein Park, ein Fluss, ein Landtag. Alles auf einer Fläche, die in zwanzig Minuten zu Fuß abgegangen ist.

Im Inneren des Viertels stehen Mietshäuser aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, die meisten unter Denkmalschutz, viele in den letzten dreißig Jahren behutsam saniert. Daneben einige Neubauten, die sich an die Maßstäbe des Bestands halten. Höhe, Traufkante, Fassadengliederung, Erdgeschossnutzung sind im Ensemble Haidhausen geschützt.

Wie Kultur eine Adresse formt

Der Gasteig hat die Wohnadressen in seinem Umfeld verändert. Vor 1985 war Haidhausen ein gemischtes Stadtviertel mit Arbeiter- und Mittelschichts-Anteilen. Mit Eröffnung des Kulturzentrums kam ein Publikum, das die Adresse anders wahrnahm. Cafés siedelten sich an, Buchhandlungen, Galerien, Wein- und Feinkostgeschäfte. Die Mietspiegel zogen an. Die Eigentumspreise folgten.

Diese Dynamik ist seit vierzig Jahren stabil. Die Sanierungs- und Interimsphase ändert daran wenig. Wer in der Rosenheimer Straße, der Kellerstraße oder der Inneren Wiener Straße eine Wohnung sucht, sucht sie nicht trotz der Bauphase, sondern weil die Lage strukturell hochwertig ist. Der Gasteig kommt zurück. Die Maximiliansanlagen liegen schon da. Die Isar ist immer schon da.

Hinzu kommt eine zweite Schicht: die Nähe zum Johannisplatz. Wer durch die Kellerstraße nach Osten geht, steht in fünf Minuten am Wiener Platz und in sieben am Johannisplatz mit der neugotischen Pfarrkirche St. Johann Baptist. Diese Verkettung von Adressen, von Kultur über Wirtshaus zu Kirche zu Wohnplatz, zeichnet das Gasteig-Viertel im engeren Sinn aus. Es ist keine Promenade. Es ist ein Geflecht.

Was im Mai im Gasteig-Viertel passiert

Im Mai zeigt sich das Viertel von seiner offenen Seite. Die Maximiliansanlagen sind in voller Blüte, die Isar führt das Schmelzwasser der Berge, die Cafés stellen ihre Tische auf die Bürgersteige. Vom Wiener Platz, von dem an Wochenenden der Wochenmarkt mit Spargel, Erdbeeren und ersten Salaten lockt, geht man in zehn Minuten am Gasteig vorbei und steht am Isarufer.

Drei Bewegungen lohnen besonders. Die erste führt vom Wiener Platz über den Johannisplatz, durch die Kirchenstraße zur Inneren Wiener Straße, mit Stopps im Café Voilà oder dem Wein- und Olivenölhandel Vapiano. Die zweite führt vom Gasteig die Rosenheimer Treppe hinunter zur Isar, am Müller'schen Volksbad vorbei, zur Reichenbachbrücke. Die dritte führt vom Maximilianeum durch die Maximiliansanlagen zum Friedensengel.

Wer im Sommer von den Gasteig-Innenhöfen Musik hören möchte, wartet noch auf die Rückkehr der institutionellen Programme. Wer aktive Kultur sucht, geht zu Fat Cat. Wer Bibliothek braucht, fährt mit der U-Bahn drei Stationen nach Sendling. Aber wer das Gefühl des Gasteig-Viertels sucht, das spürt man jeden Tag, an jeder Straßenecke.

Häufig gestellte Fragen

Was umfasst das Gasteig-Viertel räumlich?

Den Stadtraum rund um das Kulturzentrum Gasteig in der Rosenheimer Straße 5, im westlichen Teil von Haidhausen. Im engeren Sinn die Adressen zwischen Maximilianeum im Norden, Wiener Platz im Osten, Rosenheimer Platz im Süden und Isar-Hochufer im Westen.

Wann wird der Gasteig wiedereröffnen?

Die voraussichtliche Mindestbauzeit beträgt bis 2033. Die Münchner Philharmoniker, die Stadtbibliothek, die Volkshochschule und die Hochschule für Musik und Theater sind seit Herbst 2021 im Interimsquartier Gasteig HP8 in Sendling.

Was passiert während der Sanierung im Gasteig-Gebäude?

Die gemeinnützige Fat Cat GmbH bespielt das Gebäude bis zum Beginn der eigentlichen Sanierungsarbeiten. Über 170 Künstlerinnen und Künstler haben Ateliers und Proberäume, daneben gibt es Veranstaltungen, einen Kulturgarten auf dem Dach und immer wieder künstlerische Interventionen.

Welche kulturellen und gastronomischen Adressen prägen das Viertel zusätzlich?

Das Müller'sche Volksbad als Jugendstil-Hallenbad von 1901, der Hofbräukeller am Wiener Platz, das Maximilianeum (Sitz des Bayerischen Landtags), die Maximiliansanlagen als 30-Hektar-Park, das Muffatwerk als Konzert- und Tanzhaus, das Deutsche Museum auf der Museumsinsel in Sichtweite und eine dichte Reihe von Wirtshäusern, Cafés und Feinkostadressen entlang der Inneren Wiener Straße.

Eine Lage, die ihr Maß behält

Das Gasteig-Viertel ist nicht ein Stadtraum mit Kultur. Es ist ein Stadtraum, der ohne diese Kultur nicht denkbar wäre. Selbst in der Übergangsphase, in der die Institutionen woanders proben, lesen, lehren und konzertieren, bleibt die Adresse, was sie ist: eine der wenigen Münchner Lagen, an denen sich Hochkultur, Alltagsleben und Geografie auf engstem Raum begegnen. Im Mai zeigt sich das in jeder Cafézeile, an jeder Brücke, auf jedem Platz. Und 2033, wenn die Türen in der Rosenheimer Straße 5 wieder offen sind, wird die Lage genau das einlösen, was sie heute schon verspricht.

Quellen

  1. Gasteig in München - muenchen.de
  2. Der Neue Gasteig - gasteig.de
  3. Gasteig HP8 - Wikipedia
  4. Gasteig HP8 - muenchen.de
  5. Haidhausen - Wikipedia
  6. Interimsquartier für den Gasteig: HP8 - SWM Magazin

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Mona Wiesek

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