Die Au und der Mariahilfplatz: Haidhausens Nachbar unterm Hang
- Die Au ist ein Münchner Stadtteil östlich der Isar unterhalb des Hochufers; gemeinsam mit Haidhausen bildet sie den Stadtbezirk 5 und wurde 1854 nach München eingemeindet.
- Die neugotische Mariahilfkirche am Mariahilfplatz entstand 1831 bis 1839 nach Plänen von Joseph Daniel Ohlmüller im Auftrag König Ludwigs I.; ihr Turm ist 93 Meter hoch.
- Die Auer Dult findet dreimal im Jahr auf dem Mariahilfplatz statt, seit 1905 alle drei Dulten dort; die Kirchweihdult 2026 läuft vom 17. bis 25. Oktober.
Wer von Haidhausen den Hang hinunter zur Isar geht, kommt in die Au. Das Viertel war lange ein Dorf der Handwerker und Tagelöhner, heute ist es ein ruhiger Teil der Stadt mit einem großen Platz in der Mitte. Dreimal im Jahr wird dieser Platz zum Markt. Ein Porträt der Au, ihrer Kirche und ihrer Dult.
Unten am Fluss, oben die Stadt
Die Au liegt dort, wo München am tiefsten ist. Zwischen dem Isarufer und dem Hang, auf dem Haidhausen steht, erstreckt sich ein Viertel, das seinen Namen dem Gelände verdankt: Au bedeutet Flussniederung. Gemeinsam mit Haidhausen bildet es heute den Stadtbezirk 5.
Die Nähe zum Wasser bestimmte die Geschichte. Die Isar prägte Arbeit und Alltag der Vorstadt, und sie brachte Hochwasser. Ein solches Hochwasser steht am Anfang der Kirchengeschichte des Viertels: 1463 schwemmte die Isar an der Westseite des heutigen Mariahilfplatzes ein Kreuz an. An dieser Stelle entstand eine kleine Kreuzkapelle.
1854 wurde die Au nach München eingemeindet. Zuvor fiel die Entscheidung, die das Viertel bis heute prägt: der Bau einer großen Kirche auf dem Platz in der Mitte des Viertels.
Vier Kirchen auf einem Platz
Die Mariahilfkirche gilt als erster monumentaler Kirchenbau der Neugotik in München. Ihr Turm ist 93 Meter hoch und bis heute das Wahrzeichen der Au. Bevor die heutige Mariahilfkirche entstand, standen auf dem Platz bereits drei Gotteshäuser. Neben der Heilig-Kreuz-Kapelle von 1463 kam später die Kirche St. Karl Borromäus des Paulanerklosters hinzu. Eine dritte Kapelle wurde 1639 geweiht, um eine Marienstatue aufzunehmen, die der Kammerdiener Sebastian von Rottaw aus Paris mitgebracht hatte. Das Gnadenbild „Maria Hilf“ zog Pilger an, die Kapelle wurde zu klein.
Die Lösung war ein Neubau von ungewöhnlichem Anspruch. Die Kirchengemeinde kaufte 1828 den Platz, König Ludwig I. sagte eine große Summe für den Bau zu. Am 28. November 1831, dem Geburtstag des Kronprinzen Maximilian, wurde der Grundstein gelegt. 1839 weihte der Erzbischof die Kirche ein, 1840 zog die Marienstatue um, die alte Kapelle wurde abgerissen.
Architekt war Joseph Daniel Ohlmüller aus Bamberg. Ludwig wollte hier im gotischen Stil eine Art bayerischen Nationaldom verwirklichen. Die Hauptfassade war dem Straßburger Münster nachempfunden, der Turm dem Freiburger Münster. Innen entstand eine dreischiffige Halle nach spätgotischem Vorbild, mit einem Zyklus von 19 Glasgemälde-Fenstern. Das Dach war mit bunten Ziegeln gedeckt, für das damalige München etwas Neues. Ohlmüller starb im April 1839, wenige Monate vor der Weihe.
Zerstörung und Wiederaufbau
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche bis auf die Außenmauern zerstört, nur der schwer beschädigte Turm blieb stehen. Die berühmten Glasfenster gingen verloren. Beim Wiederaufbau in den frühen 1950er-Jahren nach Plänen von Hans Döllgast und Michael Steinbrecher wurde das Äußere vereinfacht wiederhergestellt, das Innere völlig neu gestaltet. Aus der dreischiffigen Halle wurde ein einschiffiger Raum. Am 13. September 1953 wurde die Kirche erneut geweiht.
Die Geschichte des Turms ging danach weiter. 1971 musste der Turmhelm abgetragen werden, weil der Kalkstein durch die Brände der Kriegsjahre und durch Luftverschmutzung mürbe geworden war. Die Bewohner der Au sammelten Spenden, bis 1981 wurde die Turmspitze in Beton nachgegossen und wieder aufgesetzt. Wer heute auf den Turm blickt, sieht also ein Stück Bürgersinn, getragen von den Menschen, die unter ihm wohnen.
Die Mariahilfkirche hat zwei Geschwister östlich der Isar. Zusammen mit Heilig Kreuz in Giesing und St. Johann Baptist in Haidhausen bildet sie die drei neugotischen Backsteinkirchen, die das Bild der rechten Isarseite bestimmen. St. Johann Baptist steht am Johannisplatz, wenige Minuten den Hang hinauf.
Die Dult: Älter als die Wiesn
Dreimal im Jahr verwandelt sich der Mariahilfplatz in einen Markt. Die Auer Dult zählt zu den ältesten Traditionsveranstaltungen der Stadt, und sie ist älter als das Oktoberfest. Die erste Dult, die Jakobidult, fand bereits 1310 am Anger statt, dem heutigen Sankt-Jakobs-Platz in der Innenstadt.
In die Au kam der Markt über ein Privileg. 1796 verlieh Kurfürst Karl Theodor der damaligen Vorstadt das Recht, zweimal im Jahr einen Jahrmarkt abzuhalten. 1799 zog das Treiben auf den Platz vor der Kirche, seither trägt die Dult den Namen ihres Viertels. Seit 1905 finden alle drei Dulten des Jahres am Mariahilfplatz statt: die Maidult im Frühjahr, die Jakobidult im Hochsommer und die Kirchweihdult im Herbst. Jede dauert neun Tage.
Das Wort selbst ist alt. Dult ist ein bairischer Ausdruck für einen Jahrmarkt mit kirchlichem Ursprung, er geht auf das althochdeutsche tuld für Fest oder Feiertag zurück. Veranstalter ist heute das Referat für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt.
Was es auf der Dult gibt
Rund 250 Stände bieten neun Tage lang an, was man anderswo kaum noch in dieser Breite findet. Berühmt ist die Dult für ihr Geschirr: Porzellan, Steingut und Keramik sind besonders gefragt. Dazu kommen Antiquitäten, Korbwaren, Spielzeug, Gardinen, Filzpantoffeln, Gewürze, Marmeladen und Trachtenzubehör, vom Kochlöffel bis zum frisch geschärften Messer.
Für Kinder gibt es Autoscooter, Kettenflieger, Riesenrad und Schiffschaukel, für alle anderen Imbiss, Biergarten und das Gedränge zwischen den Standln. Die Dult ist kein Volksfest im Wiesn-Maßstab, sondern ein Freiluft-Warenhaus mit Jahrmarkt. Genau das macht ihren Reiz aus: Man kann hier einen Nachmittag verbringen und mit einem Satz Schüsseln nach Hause gehen.
Die Kirchweihdult 2026
Die letzte Dult des Jahres beginnt am Samstag, 17. Oktober, und endet am Sonntag, 25. Oktober 2026. Sie liegt rund um das Kirchweihfest der Mariahilfkirche und hat einen eigenen Charakter: kürzere Tage, Herbstlicht auf dem Platz, der Geruch gebrannter Mandeln. Der Markt ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet, die Fahrgeschäfte von 10.30 bis 19 Uhr. Am Dienstag, 20. Oktober, ist Familientag mit ermäßigten Preisen im Schaustellerbereich. Der Eintritt ist frei.
Mit der Tram 18 und dem Bus 52 erreicht man die Haltestelle Mariahilfplatz, der Bus 62 hält an der Schweigerstraße. Von den U-Bahnhöfen Fraunhoferstraße und Kolumbusplatz der Linien U1 und U2 ist es nur ein kurzer Fußweg. Parkplätze gibt es rund um den Platz kaum. Dazu kommt 2026 eine Besonderheit: Rund um den Mariahilfplatz laufen Arbeiten an der Fernwärmeversorgung, die Verkehrsführung kann sich je nach Bauphase ändern.
Die Au zwischen den Dulten
Außerhalb der Dultwochen ist der Mariahilfplatz eine große, ruhige Fläche mit der Kirche in der Mitte. In den Straßen ringsum lässt sich die frühere Vorstadt noch erahnen, auch wenn Krieg und Nachkriegszeit vieles verändert haben. Zur Isar hin liegt das Müller'sche Volksbad, das wir im August vorgestellt haben, über die Ludwigsbrücke erreicht man in wenigen Minuten die Museumsinsel und die Altstadt.
Der Höhenunterschied zwischen den beiden Vierteln ist mehr als Topografie. Oben in Haidhausen liegen die Plätze der Gründerzeit mit ihren Cafés und Wochenmärkten, unten in der Au die Kirche, der Dultplatz und der Weg zum Fluss. Wer beide Viertel kennt, lebt gewissermaßen auf zwei Ebenen: dem städtischen Leben am Hochufer und der Weite an der Isar.
Für Haidhausen ist die Au der Nachbar unterm Hang. Wer am Johannisplatz oder am Wiener Platz wohnt, geht hinunter zur Dult, zur Isar oder zur Tram. Legat Living baut am Johannisplatz 16 das Ensemble, das sich derzeit in der Fertigstellung befindet. Von dort ist die Au ein Spaziergang entfernt, und die Türme von St. Johann Baptist und Mariahilf verbinden die beiden Viertel auch optisch.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist die Kirchweihdult 2026?
Die Kirchweihdult findet vom 17. bis 25. Oktober 2026 auf dem Mariahilfplatz in der Au statt. Der Markt ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.
Seit wann gibt es die Auer Dult?
Die erste Dult, die Jakobidult, fand 1310 am Anger statt. 1796 erhielt die Au das Marktrecht, 1799 zog der Markt an den Mariahilfplatz, und seit 1905 finden dort alle drei Dulten des Jahres statt.
Wer hat die Mariahilfkirche gebaut?
Die Kirche entstand 1831 bis 1839 nach Plänen von Joseph Daniel Ohlmüller im Auftrag König Ludwigs I. Ohlmüller starb wenige Monate vor der Weihe im Jahr 1839.
Ein Viertel mit eigenem Kalender
Die Au lebt in einem Rhythmus, den kaum ein anderes Münchner Viertel hat. Dreimal im Jahr wird ihr Platz zum Markt, dazwischen gehört er der Kirche und den Nachbarn. Das Viertel hat Hochwasser, Kriege und Umbrüche überstanden, und es hat seinen Charakter dabei bewahrt.
Wer im Oktober zur Kirchweihdult geht, erlebt die Au von ihrer lebendigsten Seite. Wer an einem gewöhnlichen Dienstag kommt, erlebt sie von ihrer ruhigsten. Beides gehört zu einem der ältesten Stadtteile östlich der Isar.
Quellen
- muenchen.de: Alles zur Auer Dult 2026: https://www.muenchen.de/veranstaltungen/freizeit/feste-festivals/auer-dult-2026
- Komoot: Mariahilfkirche, die neugotischen Geschwister östlich der Isar: https://blog.komoot.it/highlight/4036004
- Brauchtum München: Auer Dult, Termine, Geschichte und Geschirrmarkt: https://brauchtum-muenchen.de/braeuche/auer-dult.html
- muenchen.de: Mariahilfkirche in der Au: https://www.muenchen.de/sehenswuerdigkeiten/kirchen-und-kloester/katholische-mariahilfkirche
- München Wiki: Mariahilf: https://www.muenchenwiki.de/wiki/Mariahilf
- Deutsche Biographie: Ohlmüller, Joseph Daniel: https://www.deutsche-biographie.de/sfz73263.html
- TUM mediaTUM: Döllgast, Kath. Pfarrkirche Maria Hilf, Wiederaufbau: https://mediatum.ub.tum.de/951210
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