Der Bordeauxplatz in Haidhausen: Münchens stillster Platz
- Der Bordeauxplatz liegt im Franzosenviertel in Haidhausen, wird auf beiden Seiten von der Wörthstraße gefasst und misst rund 5.700 Quadratmeter bei etwa 240 Metern Länge.
- Die heutige Gestalt geht auf die Umgestaltung von 1998 zurück, für die die Landeshauptstadt München die ursprünglichen Pläne aus der Zeit um 1870 herangezogen hat: Hainbuchenhecke, Lindenallee und halbkreisförmige Wechselflorbeete an beiden Kopfenden.
- In der Längsachse liegt der rund 20 Meter lange Brunnen der jagdbaren Tiere. Auf vier Granitsockeln stehen ein Rehbock, ein Widder, ein Eber und ein Steinbock aus Muschelkalk. Benannt wurde der Platz 1976 nach der Partnerstadt Bordeaux.
Der Bordeauxplatz gehört zu den Orten, die man in München leicht übersieht und dann nicht mehr vergisst. Rund 5.700 Quadratmeter Grün, beidseitig von der Wörthstraße gefasst, in der Mitte ein flacher Brunnen mit vier Tieren aus Muschelkalk. Dieser Text sieht sich den Platzraum genauer an.
Zwei Fahrbahnen, ein Grünraum
Der Bordeauxplatz ist streng genommen kein Platz, sondern eine Grünanlage zwischen zwei Fahrbahnen. Die Wörthstraße teilt sich hier, läuft links und rechts an der Anlage vorbei und schließt sich dahinter wieder zusammen. Was dazwischen liegt, misst rund 240 Meter in der Länge und etwa 5.700 Quadratmeter in der Fläche. Diese Geometrie erklärt vieles an der Wirkung des Ortes. Ein runder Platz zieht den Blick in seine Mitte, ein länglicher führt ihn hindurch.
Im Volksmund hieß die Anlage lange Wörthplatz, nach der Straße, die sie umschließt. Den heutigen Namen trägt sie erst seit 1976. Er verweist nicht auf einen Schauplatz des deutsch-französischen Krieges, wie die meisten Straßennamen im Franzosenviertel, sondern auf die Partnerstadt Bordeaux, mit der München seit 1964 verbunden ist. Der Platz ist damit die freundliche Ausnahme in einem Viertel, dessen Adressen an Sedan, Weißenburg, Metz und Orleans erinnern.
Die Trambahn fährt an beiden Seiten dicht vorbei. Man hört sie, man sieht sie, und trotzdem entsteht auf der Grünfläche eine eigene Ruhe. Das liegt an der Bepflanzung, die den Verkehr zuerst optisch abtrennt. Der Rest ist Gewöhnung: Ein regelmäßiges Geräusch im Minutentakt verschwindet nach kurzer Zeit aus der Wahrnehmung, ein unregelmäßiges nie.
Was 1998 wiederhergestellt wurde
Die heutige Gestalt des Platzes ist jünger, als sie aussieht. 1998 gestaltete die Landeshauptstadt München die Anlage um und griff dafür auf die ursprünglichen Pläne aus der Zeit um 1870 zurück. Das Ergebnis ist eine Rekonstruktion, keine Neuerfindung, und genau das macht den Ort so schlüssig. Die Bepflanzung folgt derselben Denkweise wie die Häuser ringsum.
Drei Elemente tragen die Anlage. Eine niedrige, in Form geschnittene Hainbuchenhecke fasst den Grünraum ein und markiert die Grenze zur Fahrbahn, ohne die Sicht zu nehmen. Darüber steht eine Allee aus Linden, deren Kronen im Sommer einen nahezu geschlossenen Schirm bilden. Und an beiden Enden liegen halbkreisförmige Blumenrabatte, die die Stadt mehrmals im Jahr neu bepflanzt, sodass der Platz zu jeder Jahreszeit einen anderen Farbwert hat.
Zwischen Hecke und Bäumen laufen sandgestreute Wege, dazwischen stehen Bänke. Mehr Möblierung gibt es nicht, und dieser Verzicht ist Absicht. Wer eine Grünanlage mit Spielgeräten, Schildern und Sondermöbeln vollstellt, nimmt ihr die Ruhe. Der Bordeauxplatz hält sein Programm bewusst schmal.
Eine Hecke in dieser Form bedeutet Arbeit. Hainbuche hält den Schnitt gut, treibt aber mehrfach in der Saison nach, und die Beete an den Kopfenden brauchen mehrere Wechsel im Jahr. Dass die Stadt diesen Aufwand seit über einem Vierteljahrhundert durchhält, ist der eigentliche Grund, warum der Platz nicht wie eine beliebige Restgrünfläche wirkt.
Der Brunnen der jagdbaren Tiere
In der Mitte der Anlage liegt ein Brunnen, der die übliche Bauform ignoriert. Statt eines erhöhten Beckens mit Figur zieht sich ein rund 20 Meter langes, fast ebenerdiges Wasserbecken durch die Längsachse des Platzes. Eine Fontäne steigt zwischen ein paar Steinen auf, mehr Inszenierung leistet sich die Anlage nicht.
Den Namen bekommt der Brunnen von vier Tieren aus Muschelkalk, die auf Granitsockeln stehen: ein Rehbock, ein Widder, ein Eber und ein Steinbock. Sie sind so gesetzt, dass man sie beim Durchqueren nacheinander passiert. Die flache Bauweise hat eine praktische Folge, die man an heißen Tagen sieht. Kinder gehen ins Wasser, ohne dass jemand eine Absperrung überwinden müsste.
Brunnen sind in Haidhausen ein wiederkehrendes Motiv. Der Weißenburger Platz zwei Straßenzüge weiter trägt in seiner Mitte den Glaspalastbrunnen von 1853, einen Solitär, der vom Alten Botanischen Garten über den Orleansplatz an seinen heutigen Standort gewandert ist. Der Bordeauxplatz kommt ohne einen solchen Blickfang aus. Sein Brunnen ordnet sich der Längsachse unter, statt sie zu beherrschen.
Die Kante, die den Platz zusammenhält
Ein Platz entsteht nicht durch seine Fläche, sondern durch das, was ihn begrenzt. Am Bordeauxplatz ist das eine geschlossene Reihe von Bürgerhäusern aus der Gründerzeit. Haidhausen wurde zwischen 1870 und 1900 von der Rosenheimer Straße aus nach Norden bebaut, überwiegend in der Neurenaissance der 1880er Jahre und im Neubarock der 1890er Jahre. Am Platz stehen diese Häuser in einer Traufhöhe und einem Rhythmus, die der Anlage einen Rahmen geben.
Dass diese Substanz überlebt hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Haidhausen war um 1900 eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Münchens, gebaut für Menschen mit wenig Geld. Heute stammen rund 66 Prozent der Bausubstanz im Viertel aus der Zeit vor 1914. Die Fassaden am Bordeauxplatz sind saniert, die Farben reichen von Rosa über Gelb bis zu einem gedämpften Blau, und der Kontrast zwischen der streng geschnittenen Gartenanlage und den geschmückten Fronten ist das, was Besucher regelmäßig an Paris erinnert.
Der Vergleich hinkt, und das ist Teil des Reizes. Das französische Pendant zum Bordeauxplatz ist die Place des Vosges, die größer, strenger und stärker frequentiert ist. Der Bordeauxplatz dagegen ist kleiner, weicher und gehört weiterhin den Anwohnern. Er stützt sich auf eine Bauform, ohne sie kopieren zu wollen.
Ein Tag am Platz
Der Platz wird zu unterschiedlichen Zeiten von unterschiedlichen Menschen benutzt, und er verträgt das erstaunlich gut. Am frühen Morgen gehört der Kiesweg den Läufern, die ihre Runden zwischen Hecke und Fahrbahn drehen. Danach kommen die Hunde, danach die Kinderwagen.
Mittags sitzen auf den Bänken Angestellte aus den Büros der Umgebung, am Nachmittag Schüler. Der Abend gehört den Anwohnern, und im Hochsommer bleibt es lange genug hell, dass sich Gruppen auf der Wiese halten. Bei großen Sportereignissen versammelt sich das Viertel hier zum gemeinsamen Schauen. Das ist die Ausnahme, sonst bleibt der Platz bei seinem Grundton.
Auffällig ist, was hier nicht passiert. Es gibt keinen Markt, keine Bühne, kein Festprogramm. Der Wiener Platz übernimmt wenige hundert Meter weiter die Rolle des belebten Zentrums, der Weißenburger Platz die des repräsentativen Rondells. Der Bordeauxplatz ist der ruhigste der drei, und er ist es geblieben, weil ihm niemand eine zusätzliche Aufgabe gegeben hat.
Wohnen am Rand einer solchen Anlage
Adressen an einem Grünraum verhalten sich anders als Adressen an einer Straße. Die Fläche vor dem Haus lässt sich nicht bebauen, die Blickachse bleibt, der Verkehrslärm verteilt sich auf zwei entfernte Fahrbahnen statt auf eine nahe. Am Bordeauxplatz kommt hinzu, dass die Anlage in städtischer Hand liegt und seit 1998 nach einem historischen Plan gepflegt wird. Das ist eine belastbare Grundlage für eine Lagebewertung.
Das Ensemble von Legat Living am Johannisplatz 16 liegt zwischen Wiener Platz und Bordeauxplatz, die Rückseite zeigt zum Platz. Nach vorn tritt das Haus repräsentativ mit schmückenden Details auf, im Innenhof prägen klare Linien das Bild. Vorgesehen sind Wohnungen mit einem bis fünf Zimmern und rund 31 bis 178 Quadratmetern Wohnfläche, dazu ein automatisches Parksystem mit 13 Stellplätzen und ein Aufzug in alle Etagen. Für August 2026 meldet Legat, dass die Fassade fertiggestellt ist und sich das Projekt in der Fertigstellung befindet.
Häufig gestellte Fragen
Wie groß ist der Bordeauxplatz?
Die Grünanlage misst rund 5.700 Quadratmeter und erstreckt sich über etwa 240 Meter Länge. Sie wird auf beiden Seiten von der Wörthstraße gefasst und liegt im Franzosenviertel in Haidhausen, wenige Gehminuten vom Ostbahnhof entfernt.
Woher hat der Bordeauxplatz seinen Namen?
Der Platz wurde 1976 nach der französischen Stadt Bordeaux benannt, mit der München seit 1964 eine Städtepartnerschaft verbindet. Damit ist er die Ausnahme im Franzosenviertel, dessen übrige Straßennamen an Schauplätze des deutsch-französischen Krieges erinnern. Zuvor war die Anlage im Volksmund als Wörthplatz bekannt.
Was hat es mit dem Brunnen der jagdbaren Tiere auf sich?
In der Längsachse des Platzes liegt ein rund 20 Meter langes, nahezu ebenerdiges Wasserbecken mit einer Fontäne. Auf vier Granitsockeln stehen ein Rehbock, ein Widder, ein Eber und ein Steinbock aus Muschelkalk. Die flache Bauform macht das Becken im Sommer für Kinder zugänglich.
Wie unterscheidet sich der Bordeauxplatz von den anderen Plätzen in Haidhausen?
Der Wiener Platz ist mit seinen Marktständen und Wirtshäusern das belebte Zentrum des Viertels, der Weißenburger Platz ein sternförmiges Rondell um den Glaspalastbrunnen. Der Bordeauxplatz ist länglich, nüchtern gegliedert und ohne festes Veranstaltungsprogramm. Das macht ihn zum ruhigsten der drei.
Warum dieser Platz funktioniert
Der Bordeauxplatz leistet etwas, das im Städtebau selten gelingt. Er ist groß genug, um Weite zu erzeugen, und schmal genug, um von seinen Rändern gehalten zu werden. Er hat ein klares Programm aus drei Bestandteilen, und er verzichtet auf alles, was darüber hinausginge.
Wer wissen will, wie ein Viertel mit seinen öffentlichen Räumen umgeht, sollte an einem Werktagvormittag herkommen, sich auf eine Bank setzen und eine halbe Stunde bleiben. Der Platz erklärt sich in dieser Zeit von selbst. Er verlangt nichts und gibt trotzdem etwas zurück, und das ist eine ziemlich genaue Beschreibung dessen, was eine gute Wohnlage ausmacht.
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Quellen
[4] München Wiki, Bordeauxplatz, https://www.muenchenwiki.de/wiki/Bordeauxplatz
[5] Wikipedia, Haidhausen, https://de.wikipedia.org/wiki/Haidhausen
[6] Legat Living, JOHANNISPLATZ Haidhausen, https://www.legat-living.de/de/johannisplatz.html
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